Buchrezension von unserem Mitglied Hermann Kraus:

Herren und Knechte der Kirche“, von Hubertus Mynarek, Verlag Historia, 89079 Ulm-Wiblingen 2002, 512 S., karton., 24,50 €

Zum überraschenden „Comeback“ des Buches „Herren und Knechte der Kirche“ in der zweiten Auflage ist uns LeserInnen nicht weniger zu gratulieren als dem Autor: Prof. Dr. theol. Hubertus Mynarek berichtet zupackend, wie er wegen der Erstauflage seines vielschichtigen Werkes mit 12 Prozessen von seiten entrüsteter Kirchenmänner überzogen wurde. Außerdem zeigte sich die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) einschlägig betroffen. Und ein Medienriese kämpfte um sein (Un-) Recht, das entlarvende Buch einzustampfen, nachdem - vertragsgemäß - die Auslieferung bereits begonnen hatte. Mit Mynarek, vorher Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät (an der Universität Wien), plauderte ein Insider des Kirchenapparates“ aus dem Nähkästchen“. Das bewegte andere, durch ihn aufgeschreckte Insider zu großen, geradezu inquisitorischen Anstrengungen, die Existenz des unverhofften Revolutionärs in der Kirche zu vernichten. Noch dazu hatte dieser vor Herausgabe seiner rebellischen Abrechnung mit den Amtsklerikern seinen Austritt aus der Machtkirche erklärt.
Die zweite Auflage des Buches enthält natürlich die persönlichen Charakterisierungen nicht noch einmal - sie enthält um so gründlicher die Aufdeckung der diesen zugrundeliegenden Machtstrukturen, in denen Herren über Knechte der Kirche ihre auch religionspsychologische Macht ausüben können. Es herrsche ein „perfektes System der geistigen Unterdrückung und wirtschaftlichen Ausbeutung“. Unglücklichen Menschen wird anempfohlen, sich mit Leid, Not und Katastrophen dem allmächtigen und gerechten Kirchengott um Hilfe zuzuwenden. Gegen solche gesellschaftliche Aufdeckungen wurden bezeichnenderweise keine Prozesse geführt – eben weil sie schon in der Erstauflage die gewichtigeren, in erster Linie zu unterdrückenden, nämlich zu verschweigenden Informationen enthielten!

Was Mynarek am meisten an den ach so mildherzigen, salbungsvollen Kirchenapparatschiks abstoßen dürfte: Zum Beispiel öffnen die Herren der Kirche entgegen ihrer Theorie in der Praxis keineswegs „ihre großräumigen Paläste und Häuser für den Strom der Obdachlosen“. Und das „kirchliche Zölibatgesetz“ der katholischen Kirche stütze, bisher unaufhaltsam, die „sexualrepressive Herrschaftspolitik der Kirche“, statt daß „den untergebenen Klerikern die Freiheit der vollen Entfaltung ihres Menschseins“ gegeben wird.

Da könne in der Kirche nur eine Revolution die Änderung bewirken. Mit Spannung und Anteilnahme ist der sehr offene, streckenweise autobiographische Bericht Mynareks über seine eigenen Erfahrungen in all diesen Lebensbereichen zu lesen. Sehr sympathisch wirkt der „aus dem Osten“ stammende Autor auch deshalb, weil er seinen Unterdrückern nicht mit Haß, sondern mit Verständnis entgegentritt.