Gliederung:
I.Menschenrechtsfeindliche
Aussagen der Bibel
1.Die
Menschenwürde: ein Begriff des nichtchristlichen, humanistischen Menschenbildes
7.Jesus
als Familienfeind und Verächter des 4. Gebots
II.
Von der päpstlichen Menschenrechtsfeindschaft zu Wojtylas Menschenrechtsheuchelei
Eine
grundsätzliche Problematik entsteht schon dadurch, dass
Böhm - sicher zum allgemeinen Erstaunen - staatsrechtliche Schlüsselbegriffe
normalerweise mit einer unüblichen Konnotation verwendet. Wörter
wie Demokratie, Menschenrechte, Menschenwürde, Toleranz werden
oftmals auch ohne pejorative Adjektive oder andere entsprechende Beiwörter
in einem abwertenden Sinne verwendet. Weil der Fundamentalist einen Ausschließlichkeitsanspruch
auf seine rigorose Bibelinterpretation und sein persönliches Gottesverständnis
erhebt, vermag er sich nicht mit den unterschiedlichen Wertvorstellungen
des Grundgesetzes abzufinden, denen er sich nicht unterordnen oder anpassen
will. Er begründet das auf S.2 seiner Schrift in verblüffender
Weise: „Im Evangelium dient die Obrigkeit Gott und ist damit seinen Gesetzen
unterworfen […], im Grundgesetz dient der Staat der
,Menschenwürde’ und ist damit niemandem außer den von
ihm selbst erfundenen oder vertretenen Ideen Rechenschaft schuldig.“ Böhm
sieht die Demokratie[6]
und ihre Menschenrechte geradezu als eine Art „Pseudoreligion“ mit einem
totalitären Anspruch gegen die einzig wahre Religion der Bibel an.[7]
Die Demokratie wird wegen der ihr nachgesagten
totalitären Ambitionen geradezu verwegen mit einer Diktatur auf die
gleiche Stufe gestellt. Ein Gedanke kommt Böhm allerdings nicht im
Traum: dass vielleicht seine Theokratie
nach biblischem Muster von der überwältigenden Mehrheit nicht
nur als autoritär, sondern geradezu als totalitäre „göttliche“
Herrschaftsform empfunden werden könnte.[8]
1.Die
Menschenwürde: ein Begriff des nichtchristlichen, humanistischen Menschenbildes
Schon
den Begriff der Menschenwürde nach Art. 1.1 GG hat der angebliche
Weltenlenker nicht vorgesehen.[9]
So finden sich bezeichnenderweise in dem zweibändigen Religionslexikon
Die
Bibel und ihre Welt[10]nur
die Begriffe „Menschenopfer“, „Menschenraub“ und „Menschwerdung“. Wie ein
Sklave seinem Herrn untersteht und dessen Befehle widerspruchslos befolgen muss,
so ist im Grunde genommen auch das Verhältnis zwischen Mensch und
Gott. Das jüdisch-christliche Menschenbild sah einen gottergebenen,
immer folgsamen und dienstbereiten, autoritätsgläubigen Menschen
vor, der sich von der weltlichen und geistlichen Macht bis an die Grenze
seiner körperlichen und finanziellen Leistungsfähigkeit ausbeuten
lassen musste.[11]
In dem GG-Taschenkommentar von Seifert/Hömig
sind als typische Fälle der Verletzung der Menschenwürde aufgezählt:
„Folter, Sklaverei, Ausrottung ethnischer, nationaler, rassischer oder
religiöser Gruppen, Verschleppung, unmenschliche oder erniedrigende
Strafen und Behandlungsweisen, vollständige Entrechtung“.[12]
All dies haben die heute noch staatsbeherrschenden Christen – entgegen
einer ganzen Reihe von Verfassungspostulaten! - während der längsten
Zeit ihres unseligen Wirkens in einer zweitausendjährigen Geschichte
gegenüber vielenMillionen Unschuldiger
verbrochen.
Auf
der anderen Seite steht das nichtchristliche, humanistische Menschenbild,
dem bedeutende Vertreter der Aufklärung zum Durchbruch verholfen haben.
Nach dem zitierten GG?Komm. ist der Mensch „als geistig?sittliches Wesen
darauf angelegt [...], in Freiheit und Selbstbewusstsein
sich selbst zu bestimmen“, auch darf er „keiner Behandlung ausgesetzt werden,
die ihn zum bloßen Objekt degradiert“ (ebda,
S. 35f). In der angeblich „Heiligen Schrift“ findet man keinen einzigen
Menschen, auf den diese Bestimmung voll zuträfe! Sogar Jesus fügte
sich nach dem Evangelium in den Willen seines „himmlischen Vaters“ und
nahm den ihm bestimmten unmenschlichen Tod gehorsam hin.[13]
Wer sich tatsächlich dauerhaft gegen Gott entscheidet, wird nach christlicher
Lehre mit den allerschlimmsten aller Übel von Ewigkeit zu Ewigkeit
bestraft, sodass selbst der ungerechteste Sklavenhalter
seinen menschlichen Besitz in jedem Fall nur unvergleichlich milde strafen
könnte (höchstens einmal mit dem Tod).
Besonders
übel spielt Gott seinem „Knecht Hiob“ mit, der mehrfach gerühmt
worden ist, er sei „fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meide
das Böse“ (Hiob 1,1.8; 2,3). Der Satan fordert Gott zu einer Wette
heraus, dass Hiob vom Höchsten abfallen
werde, wenn es ihm schlecht gehe. Jahwe willigt erstaunlicherweise gleich
ein. Dem Gerechten wird all sein Besitz genommen; seine zehn Kinder kommen
zu Tode. Hiob findet sich klaglos mit dem schweren Verlust ab. Bei einer
zweiten Begegnung Gottes mit dem Satan erfährt dieser, Hiob halte
„noch fest an seiner Frömmigkeit“. Dann spricht Jahwe die ungeheuerlichen
Worte: „du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben“ (Hiob 2,3).
Anstatt dass es den Schöpfer nun reute,
Hiob ins Elend gestoßen zu haben, gestattet er dem Teufel noch, den
Gottesfürchtigen auch gesundheitlich zugrunde zu richten. Der
Weltenlenker lässt also einen exemplarischen
Menschen ins allergrößte Unglück stürzen. Ist das
nicht göttliche Willkür – nur um dem
Satan zu beweisen, dass dieser Unrecht hat?
Gott kann wie ein Sklavenhalter nach Gut- oder Schlechtdünken
mit seinen Geschöpfen umspringen und steht natürlich außerhalb
jeder Kritik! Selbst der schuldlos gepeinigte Mensch darf niemals
an Gott zweifeln oder mit ihm rechten. Da Hiob dies doch getan hatte und
er sein Verhalten als Sünde bereute, sagte er schließlich zerknirscht
zu Gott: „Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und
Asche“ (Hiob 42,6). Zum Schluss kommt es
dann doch zu einem Happy End (weil sonst das Gerechtigkeitsempfinden des
Bibellesers nachhaltig enttäuscht würde): „Und der Herr gab Hiob
doppelt soviel, wie er gehabt hatte“ (Hiob 42,10).
Wenn
man das geistige Fundament des Christentums, die Bibel, gründlich
und unvoreingenommen ohne Scheuklappen prüft, versteht man, warum
die Romkirche ihren Schäfchen viele Jahrhunderte lang verbot, selber
die unmoralischen, häufiggrauenvollen
Geschichten der angeblich Heiligen Schrift zu lesen. Dann hätten viele
gutgläubige Christen von unausrottbaren Zweifeln befallen worden sein
müssen und hätten schon früher die Krake Kirche mit der
Verbreitung der ungeschminkten Wahrheit bekämpft. Beim unvorsichtigen
Öffnen der biblischen Büchse der Pandora kommen nämlich
zum Vorschein: Mord und Totschlag, Inzest und Ehebruch, Lug und Trug, Habgier
und Diebstahl, Leibeigenschaft und Sklaverei, Geister- und Dämonenglaube,
religiöse Führer als Fanatiker, abstruse Lehren mit Auserwähltheitsanspruch,
hochgradige Selbstüberschätzung des „Gottesvolkes“, bilderstürmerische
Intoleranz, Verachtung bis zur Vernichtung Andersgläubiger.
Es kann kaum überraschen, dass einige
der scharfzüngigsten Religionskritiker studierte Theologen waren oder
sind, die ihr ehrliches Gewissen nicht länger zu unterdrücken
vermochten. Es muss dagegen sehr
verwundern, wenn immer noch viele Irregeleitete oder Unwissende glauben,
wir hätten es beim Christentum hauptsächlich mit einer „Religion
der Liebe und der Mitmenschlichkeit“ zu tun,[14]
keinesfalls aber mit einer geldgierigen und Macht besessenen Interessengruppe,
die ihren ideologischen Unterbau sehr unzutreffend in einseitig umgefälschter
Weise darzustellen sich bemüht.
Analog
zu den beute- und landhungrigen europäischen Expansionisten
ab dem 15. Jahrhundert stießen auch die Israeliten bei der so genannten
Landnahme in Kanaan mit Eroberungs?, Raub? und Vernichtungskriegen vor,
wobei angeblich der „Herr der Heerscharen“ tatkräftige Hilfe leistete.
Viele der dort siedelnden kleineren Völker wurden nach biblischem
Zeugnis massenhaft niedergemetzelt. Der mordgierige Stammesgott ergrimmte
schon, wenn seine menschlichen Bundesgenossen die Frauen, die Kinder sowie
das Vieh der Besiegten schonten. Erst wenn zahllose weitere Unschuldige
abgeschlachtet worden waren, erklärte sich der in doppeltem Sinne
unmenschliche
Jahwe
zufrieden gestellt.[15]Auch
vor diesem Hintergrund sollte vielleicht die viel gerühmte „Gottesebenbildlichkeit“
des Menschen neu diskutiert werden!
Gegen
das bluttriefende Alte Testament (AT) erscheinen Drakula-
und andere Horrorgeschichten mitunter wie Ammenmärchen. Der Pentateuch
berichtet nämlich sogar von Menschenfresserei als Strafe Gottes,
wobei es sich noch pikanterweise um das Verzehren der eigenen Kinder handelt
(nachdem
sie vermutlich gemäß den religiösen Speisegesetzen geschächtet
wurden): „Du wirst die Frucht deines Leibes, das Fleisch deiner Söhne
und deiner Töchter, die dir der Herr, dein Gott gegeben hat, essen
in der Angst und Not, mit der dich dein Feind bedrängen wird.“ Dabei
ist auch der Wille des himmlischen Schöpfers besonders hervorzuheben, dass
niemand unter diesen Menschenfressern den Verwandten das Fleisch der geschlachteten
Kinder gönnen wird (Dtn 28,53-57, vgl. 2 Kön
6,28f, Lev 26,29, Jer 19,9). Fürwahr,
ein äußerst strenger -aber
doch gerechter Gott!?
Andererseits
ist das Abendmahl nach Auffassung beider Großkirchen ein Verspeisen
des tatsächlichen Leibes und Trinken des tatsächlichen
Blutes
des Wanderpredigers, der später zum Gottesssohn
verklärt wurde (Joh 6,53?56)[16].
Religionskritiker haben dieses seltsame Brauchtum dann auch als eine Art
rituellen Kannibalismus gebrandmarkt. Das vielleicht etwas harmlosere Kinderopfer
kommt ebenfalls im AT vor. Das wichtigste Ereignis handelt vom israelitischen
Heerführer Jiftach, der Jahwe seine
Tochter in einem Brandopfer als Dank für einen Sieg gegen die Ammoniter
darbrachte (Ri 11,30?40). Der Kindermörder
zu Ehren des jüdisch-christlichen „Weltenlenkers“ wird in der Bibel
mit keiner Silbe getadelt; man gewinntvielmehr
denEindruck, auf dem Opfer Jiftachs
habe Gottes Segen gelegen (während er Kains Getreide-Opfer nach Gen
4,4f missbilligte und deshalb eigentlich
eine Mitschuld am Brudermord an Abel trug - aber welcher Pfaffe gibt das
jemals zu?).
Dem
legendären Stifter der jüdischen Religion werden zahlreiche Gesetze
zugeschrieben, die für kleinste und lächerlichste Vergehen die
Todesstrafe fordern.[17]
Was das für ein mordlüsterner Fanatiker war, erhellt aus dem
Bericht bei Ex 32,25-29. Mose spricht im
Namen Gottes, als er allen Söhnen Levis nach dem - wie er meint ?
todeswürdigen Tanz ums goldene Kalb befiehlt: jeder erdolche seinen
Bruder, Freund und Nächsten. Gesagt, getan. Die Jahwe-Fundamentalisten
bringen nun schnell 3000 Mann aus ihrer Blutsverwandtschaft und dem Freundeskreis
um. Das kommentiert der alttestamentliche Ajatollah vom Sinai nach der
Einheitsübersetzung[18]
voller Begeisterung mit diesen Worten: „Füllt heute eure Hände
mit Gaben für den Herrn! Denn jeder von euch ist heute gegen seinen
Sohn und seinen Bruder vorgegangen, und der Herr hat Segen auf euch gelegt.“
Wie Fliegengeschmeiß beseitigt werden muss,
verdienen Götzenanbeter aus „religionshygienischen“ Gründen sicher
kein besseres Schicksal! Deshalb - oder trotzdem? - wird der Massenmörder Mose
von unseren christlichen Staatsusurpatoren und ihrem Anhang fast nur positiv
gesehen. Verschiedene religiöse Nachschlagewerke erwähnen das
kompromittierende Blutbad bezeichnenderweise überhaupt nicht. Und
die meisten Kinderbibeln aus jüngster Zeit verfahren ebenso: Sie verschweigen
ganz einfach den verabscheuungswürdigen Massenmord und täuschen
und betrügen auf diese durchsichtige Weise ihre Leser. Eine fromme
junge Frau in unserer Nachbarschaft sprach ich auf diesen Umstand an; sie
war ganz entgeistert und bezweifelte wohl
meine Worte.
Eines
der biblischen Gebote, das von selbstgerechten Christen im Bewusstsein
ihrer moralischen Überlegenheit immer wieder triumphierend wie eine
Monstranz gezeigt wird, lautet: „Du sollst nicht töten.“ Die Einheitsübersetzung
gibt sich weitherziger: „Du sollst nicht morden“ (Lev 20,13; Dtn
5,17). Wenn man das vor dem Hintergrund zahlloser göttlicher Metzeleien
besonders im AT betrachtet, müsste
sich ein aufmerksamer Bibelleser eigentlich verwirrt an den Kopf greifen.
Schließlich fällt es ihm vielleicht wie Schuppen von den Augen:
das Tötungsverbot, das von betrügerischen Priestern bis heute
gerne als stets uneingeschränkt gültig dargestellt wird, bedeutet
in der Bibel „Du sollst den gesetzestreuen Jahwe-Anhänger nicht
töten.“ Mit schwächeren Nachbarvölkern und Juden, die ihre
Religionsgebote nicht einhielten, wurde dagegen normalerweise nicht viel
Federlesens gemacht. So verwirkte ein Mann sein Leben, weil er gegen das
Gebot der Sabbatheiligung verstoßen hatte: er war beim Holzsammeln
am Feiertag ertappt worden! Originalton Einheitsübersetzung: „Da führte
die ganze Gemeinde den Mann vor das Lager hinaus und steinigte ihn zu Tod,
wie der Herr es Mose befohlen hatte“ (Num
15,32-36).
Die
Todesstrafe muss innerhalb des „auserwählten
Volkes“ Israel zur Zeit des AT geradezu massenhaft vollstreckt worden sein
– trotz des (heute!) falsch verstandenen 5. Gebots. Sexuelle Abweichungen
von der engen Norm wurden samt und sonders mit der Todesstrafe geahndet.
Im 20. Kapitel von Levitikus mit seinen
„todeswürdigen Verbrechen“ findet sich ein umfangreicher Katalog,
der kaum einen sadistischen Wunsch offen lässt.
Schwule, die bei ihrem Treiben erwischt wurden, hatten ihr Leben verwirkt
(Lev 20,13). Die „widernatürliche“ Betätigung und die „Verschwendung
des Samens“ (vgl. Onan bei Gen 38,4-10)
sind die Gründe dafür, weshalb die Papstkirche die Homosexuellen
bis heute diskriminiert. Ex 22,17 gebietet nach der Einheitsübersetzung
kurz und mitleidlos: „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen.“ Diese
wenigen „göttlich inspirierten“ Worte stellten eine der Hauptursachen
für die Jahrhunderte langenGräuel
der christlichen Hexenverfolgung dar. Im 16. und 17. Jh. gab es sogar Kinderhexenprozesse![19]
Da
die antiautoritäre Erziehung noch unbekannt war und das erbarmungslose
mosaische Gesetz herrschte, standen Elternrechte turmhoch über etwaigen
Rechten der Kinder. So werden die Eltern vor den Flüchen ihrer Sprösslinge
- offenbar völlig unabhängig von deren Alter - dadurch geschützt, dass
diesen bei Zuwiderhandlung die Todesstrafe droht (Lev 20,9; Ex 21,17).
Auch ein widersetzlicher, nicht fluchender Sohn, der trotz mehrfacher Ermahnungen
und Züchtigungen nicht seinen Eltern gehorcht, muss
um sein Leben fürchten. Vater und Mutter brauchen ihn nur zu den Stadtältesten
zu bringen, ihre Klage vorzutragen, und schon kann der störrische
Verschwender und Trinker gesteinigt werden (Dtn
21,18-21). Bei diesem frommen Gotteswerk schleudern die Eltern sicher gerne
die größten Steine zuerst gegen ihren nichtsnutzigen Sohn …
Wo
soviel gemetzelt und gemordet wird, kann natürlich die körperliche
Unversehrtheit schon gar nicht gewährleistet sein, ruft doch der galiläische
Wanderprediger selbst zur bedingungsweisen
Selbstverstümmelung auf (Mt 5,29f). Diese
betrieben auch zahlreiche geistig Verwirrte, die z.T.
noch als besonders fromm galten. Es passt
gut dazu, wenn der gegenwärtig bedeutendste deutsche Kirchenkritiker,
Karlheinz Deschner, schreibt, dass
auch in den Klöstern die Mönche und Nonnen für z.T.
nur einfache Vergehen harte körperliche Strafen hinnehmen mussten;
manchmal wurden sie auch wirklich verstümmelt. Die Prügelstrafe
wird ebenfalls wiederholt in beiden Teilen der „Heiligen Schrift“ empfohlen
mit dem Tenor, wen Gott liebt, den züchtigt er oder: wer die Rute
spart, liebt seine Kinder nicht (z.B. Spr
13,24). Das ist wohl tätliche christliche Nächstenliebe!
3.Besser
ein frommer Sklave als ein ungläubiger freier Mann
Die
unbekannte biblische Sklavenlehre gegenüber dem Menschenrecht
„Die
Freiheit der Person ist unverletzlich.“ (Art. 2.2, Satz 2 GG)
Nach
der schriftlichen Grundlage des Christentums sind Sklaven etwas ganz Normales
und Alltägliches; sie gehören einfach zur göttlichen Ordnung.
Sie sind vom Weltenschöpfer in ihren Stand gesetzt worden und dürfen
keineswegs aufbegehren. Auch Jesus und Paulus sahen die Sklaverei als etwas
Selbstverständliches an, so dass sie
sie niemals verurteilt haben. Die bereits genannte Enzyklopädie Die
Bibel und ihre Welt schreibt unter „Sklaverei im NT und in Qumran“:
„So ziemlich jeder Brief des Paulus und Petrus mahnt sogar die Sklaven,
auch wenn sie sich zum Christentum bekehrten, mit ihrer Lage zufrieden
zu sein und ihren Herren zu gehorchen“ (ebda.,
S.1297). Eine kleine Kostprobe davon findet sich bei 1. Kor 7,20f: „Jeder
soll in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat. Wenn
du als Sklave berufen wurdest, soll dich das nicht bedrücken; auch
wenn du frei werden kannst, lebe lieber als Sklave weiter.“[20]
Einen
ergänzenden, sehr beredten Beleg entnehmen wir noch Tit
2,9f: „Die Sklaven sollen ihren Herren gehorchen, ihnen in allem gefällig
sein, nicht widersprechen, nichts veruntreuen; sie sollen zuverlässig
und treu sein, damit sie in allem der Lehre Gottes, unseres Retters, Ehre
machen“. Da der Weltenschöpfer sich nach christlichem Dogma nicht
irrt und auch die Bibel inspiriert hat, wollte er eindeutig über einen
großen Teil seiner menschlichen Geschöpfe als Sklavenhalter
herrschen. Außerdem ist ein gottesfürchtiger Sklave nach
dieser vertuschten biblischen Sklavenlehre 1000-mal besser als ein ungläubiger
freier Mann. Es ist daher nur folgerichtig, wenn der Kirchenstaat
der letzte Sklavenhalter Europas war. Wegen des Bildungsmonopols der klerikalen Volksverdummer
über viele Jahrhunderte und weil noch heute kaum etwas gegen die Kirchenlobby
geschehen kann, deshalb kennt die ganz überwiegende Mehrheit der Christen
diese Tatsachen natürlich nicht. Sie wissen auch nicht, dass
Sklavenschiffe, die während dreier Jahrhunderte voll gestopft mit
menschlicher Fracht Afrika verließen, von Priestern gesegnet wurden.
Trotz dieses Segens verreckten Unzählige während der wochenlangen
qualvollen Überfahrten nach der „Neuen Welt“. Das berührte die
„christlichen“ Menschenschinder nicht stärker, als wenn heute ein
Großteil einer verderblichen Ware nicht den wirtschaftlichen Zweck
des Weiterverkaufs und des damit verbundenen Profits erfüllt.
Verschiedene
kirchliche Nachschlagewerke nennen entweder den Begriff „Sklave“ überhaupt
nicht oder sie bemühen sich in auffälliger Weise darum, dass
Sklavendasein im biblischen Israel als recht erträglich darzustellen.
In der Lutherbibel kommt das Wort kaum vor,[21]
während es in der Einheitsübersetzung häufig auftaucht.
Die Erklärung dafür gibt ein Biblisches Wörterbuch[22]
unter dem Sammelstichwort „Knecht/ Sklave/ Knechtschaft“: „Die hebräische
(AT) und die griechische Sprache (NT) können begrifflich zwischen
Sklave und Knecht nicht unterscheiden. Äbäd(hebr.
»Knecht « …) und dulos
(griech.) umschreiben ein großes Spektrum
unterschiedlichsten Dienens. Die Grundaussage ist in jedem Fall ein Verhältnis
der Abhängigkeit, im Negativen wie im Positiven, im Verhältnis
zum Menschen wie im Verhältnis zu Gott.“
Der
bereits mehrfach genannte Biblizist Böhm,
der augenscheinlich einen Gottesstaat nach altisraelitischem Muster anstrebt,
ist in dem hier angesprochenen Punkt der Sklavenhaltergesellschaft inkonsequent:
Er geifert zwar unentwegt gegen die Menschenrechte im Grundgesetz, aber
die biblische Sklaverei, die ja gottgewollt ist, will er anscheinend doch
nicht wieder einführen. Allerdings spricht er einmal ausdrücklich
von dem „Herrn des Sklaven“ als einer der „von Gott gesetzten Autoritäten“
[…], in welchen Gottes Herrschaft unter den Menschen gleichnishaft dargestellt
ist“! Dies muss dann doch wohl (ausnahmsweise?)
als positiv verstanden werden![23]
4.Der
Mann als Beherrscher der Frau
Die
menschenrechtswidrige Benachteiligung der Frau in der „Heiligen Schrift“
wird von offizieller Kirchenseite tendenziell verniedlicht oder ganz abgestritten;
nicht selten wird sogar unverfroren versucht, unbedarften Leuten das genaue
Gegenteil der unbestreitbaren Wahrheit aufzutischen. Jedoch kann ich mit
Genugtuung auf einen eindeutigen Bibelkenner verweisen, der meine
Ansicht ohne Wenn und Aber bestätigt. Dabei muss
ich allerdings einen bedeutsamen Umstand erwähnen: Zwar deckt sich
die Darstellung meines Gewährsmannes zur Ungleichbehandlung
der Geschlechter in der Bibel mit meinen Aussagen; seine Bewertung der
Konsequenzen entpuppt sich jedoch als völlig gegensätzlich,
weil ihn gleichzeitig eine radikal Norm abweichende Grundüberzeugung
beherrscht. Ich spreche wieder von dem Biblizisten
Hans-Jürgen Böhm, der ganz bewusst
schreibt: „Nun ist ja allgemein bekannt, dass
die Gleichberechtigung von Mann und Frau gemäß den Menschenrechten
stracks gegen die Lehre des Neuen Testaments gerichtet ist“. Der Fundamentalist
bringt anschließend auf fast einer halben Druckseite ausführliche
Bibelzitate aus Schriften, die gewöhnlich als paulinisch
angesehen werden und die ehrlicherweise wirklich nur als Darstellung eines
längst überholten Frauenbildes der Unterwerfung unter den Mann aufgefasst
werden können.[25]
Böhm
ist in mancher Hinsicht überraschend klarsichtig, so z.B. wenn er
schreibt: „Genau genommen ist bereits das Vorlesen und Veröffentlichen
solcher neutestamentlicher Zitate gemäß
den Menschenrechten eine die Frau diskriminierende Handlung“. Da für
unseren seltsamen Fundamentalisten die Bibel jedoch nicht kritisierbar
ist und als Maßstab aller Dinge herhalten muss,
wird die „Menschenrechtsideologie“ geradezu folgerichtig als widergöttliche
Ersatzreligion abqualifiziert. Der Diskriminierungsbefürworter auf
der Grundlage von „Gottes Wort“ versteigt sich schließlich zu folgendem
apodiktischem Urteil: „Die Gleichberechtigung der Frau gemäß
den Menschenrechten (ist) in Wirklichkeit zutiefst menschenverachtend und
frauenfeindlich“! An diesem verfassungswidrigen Satz werden sich manche
Leser gewiss festbeißen. Wenn sie
sich dann weiterkämpfen, stoßen sie auf diese Begründung:
„Wenn eine Frau vorliegende Schrift liest, so will ich ihr als Mann in
aller Liebe die ganze Wahrheit sagen: Ihr Frauen werdet mit eurer Emanzipation
von den Männern betrogen und belogen, denn ihr werdet dabei in Wahrheit
überhaupt nicht als Frauen anerkannt, sondern nur soweit, wie ihr
das männliche Normensystem verkörpert.“ Auf der nächsten
Seite variiert der Menschenrechtsverächter das Thema in noch grausigerer
Weise: „Und so werden eure Ehen und Familien […] zerstört; eure Kinder müsst
ihr umbringen oder sie Anderen zur Erziehung geben, damit ihr Zeit für
Beruf und Karriere habt“.[26]
Der
katholische Mitarbeiter eines wohlfeilen einbändigen Bibellexikons[27]
gesteht ebenfalls überraschend ein: „Als kürzeste Zusammenfassung
aller Rechtsaussagen des AT über das Verhältnis der Geschlechter
kann man Gen. 3,16 bezeichnen: Der Mann herrscht über die Frau.“ Später
konstruiert er betrügerisch zwei Betrachtungsweisen, um möglichst
noch in letzter Sekunde auf den Menschenrechtszug aufspringen zu können:
„Im NT zeigt sich ein ähnlicher Gegensatz der untergeordneten sozialen
und rechtlichen (faktischen) Stellung der Frau und grundsätzlichen
(theologischen) Aussagen über die Gleichberechtigung von Mann und
Frau.“ Wenn der unredliche Gottesgelehrte der Papstkirche nur eine theologische
Gleichberechtigung
anbieten kann, dann gibt er Steine statt Brot und erweist sich als übler
Taschenspieler. Er möchte die schlimme Konsequenz seiner Rabulistik
vergessen machen: Höherwertigkeit des Mannes auf Erden und Gleichberechtigung
der Geschlechter im Himmel! Das entspricht übrigens – sicher nicht
zufällig! – der „Lehre der Kirchenväter, wonach im Paradies alle
Menschen gleich und frei seien.“[28]
Wie
verlogen manche Kernaussagen von Theologen sind und wie gelegentlich ein
Bibelzitat genau das Gegenteil der kühnen Behauptung bedeutet,
für die es als Beleg herhalten soll, zeigt sich wieder in diesem Zusammenhang.
Behauptung: „Auch die Paulus-,Schule’
plädiert nicht für Unterordnung der Frau, sondern für ein
Füreinanderdasein von
Mann und Frau“. Zum ersten bedeutet „Füreinanderdasein“ wohl schwerlich
„Gleichberechtigung der Geschlechter“. Wir haben also wieder einmal einen
Vertreter der geistigen Falschmünzer und Schaumschläger in flagranti
ertappt. Zum anderen heißt es im ersten Teil der genannten Bibelstelle Eph
5,21?33 wie folgt: „Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem
Herrn. Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das
Haupt ist der Gemeinde, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie
nun die Gemeinde ist Christus untertan, so seien es auch die Frauen ihren
Männern in allen Dingen.“[29]
Der
betrügerische Gottesgelehrte zieht das Fazit, das ausschließlich
seinem Wunschdenken, aber nicht den Tatsachen entspricht, wenn er behauptet:
„Biblischer Intention entspricht von daher die Aufhebung jeder Benachteiligung
der Frau in unserer Gesellschaft, nicht etwa die Beibehaltung patriarchalischer
Strukturen.“ Merke: Wenn du sogar den allergrößten
Unsinn immer wieder mit glühendem missionarischem Eiferals
scheinbarer Ehrenmann unters Volk trägst, lässt
sich dieses schließlich düpieren und glaubt dir einfach alles.
- Wenn nun Vertreterinnen des nahezu esoterischen Zirkels einer „feministischen
Theologie“ die grundsätzliche Unterdrückung der Frau in der Bibel
abstreiten, so betrügen sie zweifelsohne sich selber und andere. Die
katholische Kirche dagegen kann sich wirklich auf die Bibel berufen, wenn
sie weibliche Priester nicht zulässt.[30]
5.„Ich
bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine andern Götter haben neben
mir“[31]
Gottesgebot
mit „exklusivem Absolutheitsanspruch“ gegen Grundrechtsgarantien
auf
Religions? und WeltanschauungsfreiheitmitBevorzugungs-
und
Benachteiligungsverbot (Art. 4.1 und 3.3 GG)
Der
Verfassungsartikel 4.1 versichert treuherzig: „Die Freiheit des Glaubens,
des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen
Bekenntnisses sind unverletzlich.“ Schon der benutzte GG-Komm. beweist, dass
Theorie und Praxis in Glaubensdingen und Weltanschauungsfragen geradezu
als antagonistische Prinzipien erscheinen. Jeder solle seine „innersten
Anschauungen und Überzeugungen“ frei bilden können. Es heißt
dann weiter: „Die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit erstreckt sich
nicht nur auf religiöse Anschauungen und Überzeugungen,
sondern auch auf irreligiöse, ja sogar religionsfeindliche Weltanschauungen.“[32]Diese
Möglichkeit des Grundrechts muss allerdings
bis jetzt wie eines der größten Staatsgeheimnisse der Bundesrepublik
Deutschland gehütet worden sein, denn es wird fast immer verschwiegen
in Funk und Fernsehen, in den auflagestarken Printmedien, in den meistverbreitetenBildungseinrichtungen
sowie den „normalen“ öffentlichen Veranstaltungen. Selbst das trojanische
Pferd „Ethik“, das eines klerikalen Unrechtsstaats würdig ist, nimmt
sich in Wahrheit überwiegend der – pluralistischen!? - Zwangsmission
der Kirchenfreien an. Bereits nichtreligiöse
Weltanschauungen
bleiben im christlich nahezu gleichgeschalteten Staat meistens unerwähnt.
(Nach einer auffällig-unauffälligen Sprachregelung wird fast
nur von „Religionsfreiheit“ daherschwadroniert!) Konfessionslosen und Atheisten
werden in verfassungswidriger Weise eindeutig viel geringere Rechte gewährt
als den hoch privilegierten Bibelanhängern; manchmal werden ihnen
selbst die minderen Rechte noch weiter beschnitten.
Während
die oben genannten GG-Artikel 4.1 und 3.3 weltanschauliche Toleranz
implizieren, gebärden sich insbesondere die Großkirchen noch
heute so, als könnten sie mit ihrer Jenseitsideologie und ihrer angeblich
unübertroffenen Ethik wenigstens für alle Menschen Maßstäbe
setzen. Das vielbändige protestantische Lexikon RGG schreibt
zu Recht, „alle Volksreligionen“ seien „inhaltlich tolerant“ gewesen. Anders
verhalte es sich dagegen mit den „Universalreligionen“; dort „hängen
T[oleranz] und Intoleranz von ihrer Grundstruktur
ab, d.h. davon, ob sie prophetischen oder mystischen Charakters sind.“
Von
„den prophetischen Religionen“ wird anschließend ausgesagt, „der
in ihnen durchweg vorhandene exklusive Absolutheitsanspruch (begründet)
eine radikale inhaltliche Intoleranz“. So fordere z.B. der Parsismus
den „Kampf gegen die »Falschgläubigen«“. Eine Parallele
dazu finde sich bei den großen Propheten des AT. Als ausgewählte
Belegstellen werden Jer 2,10ff und Jes
2,8 genannt.[33]
Häufig geifern die israelitischen Gottesmänner gegen die Kultstätten
der Andersgläubigen und fordern die Vernichtung fremder Heiligtümer
wie in diesem anschaulichen Beispiel: „Zerstört alle Orte, da die
Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben, es
sei auf hohen Bergen, auf Hügeln oder unter grünen Bäumen,
/ und reißt um ihre Altäre und zerbrecht ihre Säulen und
verbrennt mit Feuer ihre Haine, und die Bilder ihrer Götter zerschlagt,
und vertilgt ihren Namen aus demselben Ort.“[34]
Die
hochgradige Intoleranz des traditionellen Christentums geht in erheblichem
Maße auf die biblische Erwähltheitsdoktrin zurück.
Danach ließen sich die israelitischen Stämme von ihren Priestern
und Propheten einreden, der Gott Jahwe habe ihr Volk „auserwählt“
und sogar mehrfach einen Bund mit ihm geschlossen. Eine Kernstelle dazu
findet sich bei Dtn 7,6ff. (vgl. Dtn
14,2): „Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat
der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern,
die auf Erden sind. / Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt,
weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist
das kleinste unter allen Völkern - / sondern weil er euch geliebt
hat …“ Die schmerzliche Unterlegenheit gegenüber den Hochkulturen
am Nil und im Zweistromland müssen in Altisrael geradezu traumatisch
gewirkt haben. Um dies wenigstens in der Einbildung zu kompensieren, phantasiert
Salomon in einem Gespräch mit niemand geringerem als Gott, der ihm
im Traum erscheint: „Und dein Knecht steht mitten in deinem Volk, so groß, dass
es wegen seiner Menge niemand zählen noch berechnen kann.“ (1. Kön
3,8; vgl. Hos 2,1 bzw. Hos.
1,10). Christliche Exegeten erblicken darin – wie sollte es auch anders
sein? - einen Hinweis auf ihre Religion, zumal ja Paulus die Anhänger
des von ihm gepredigten Gottessohnes als die neuen „Auserwählten“
deutet. Er bezieht sich dabei sinnigerweise auf Gottes angebliche Aussage
durch den Propheten Hosea:„Ich
will das mein Volk heißen, das nicht mein Volk war, und meine Liebste,
die nicht die Liebste war.“ (Röm 9,25; s.a.Röm
9,26; vgl. 1 Petr 2,9f).
Sozialpsychologischkann
man die Auserwähltheitsideologie des Volkes Israel damit
erklären, dass ein ursprünglicher
Unterlegenheitskomplex
gegenüber der ägyptischen und babylonischen Hochkultur im Verlaufe
einer lang andauernden Gehirnwäsche durch eine Macht besessene Priesterkaste
und ultraorthodoxe Propheten den Bezug zur Wirklichkeit ernsthaft trübte.
Die streng gesetzestreuen Jahwe-Anhänger wurden allmählich von
einer genau gegenteiligen Gefühlslage: einem Überlegenheitsdünkelerfasst,
der – nach dem Zeugnis des AT zu urteilen – nachgerade bis in eine Massenpsychose
heranzureichen schien. Statt guter Nachbarschaft zu den kanaanäischen
Stämmen – Abkapselung und Isolationismus; statt eines Minimums an
Toleranz für andere Kulte – eine ins Pathologische und Destruktive
ausufernde Feindschaft gegenüber Andersgläubigen. Die mildeste
Form war dabei noch eine zügellose Verächtlichmachung
der „Götzendiener“; die schlimmste, Mord und Totschlag an den „Falschgläubigen“,
durch den „einzig wahren Gott“ nicht nur erlaubt, sondern sogar befohlen.
Die „Rechtgläubigen“ dürfen selbst die nächsten Angehörigen
nach Jahwes blutdürstigem Wort nicht exkulpieren, wie Sach
13,3 anschaulich beweist: „Wenn jemand weiterhin als [falscher] Prophet
auftritt, dann sollen sein Vater und seine Mutter […] zu ihm sagen: Du
sollst nicht am Leben bleiben; denn du redest Lüge im Namen des Herrn!
Und es werden Vater und Mutter […] ihn durchbohren“.[35]
- Die herrschende Priesterschaft schuf sich einen unvergleichbaren Gott,
der intolerant bis zum Exzess gegenüber
der Götterkonkurrenz war, seine Macht mit grenzenloser Grausamkeit
austobte und so die Getreuen in seinem Volk zusammenhielt.
Man muss
bedauernd feststellen, dass in der Praxis
der herrschsüchtige Geist mit seinem exklusiven Absolutheitsanspruch
aus dem ersten Gebot indirekt noch immer mehr Macht und Einfluss
bei uns hat als die schön klingenden Verfassungsgrundsätze nach
Art. 4.1 und Art. 3.3. Manchem christlichen Fundamentalisten erschiene
zweifellos das1. Gebot als geeigneter
für das GG als eine allgemeine Religions? und Weltanschauungsfreiheit,
wie
sie aus der humanistischen Aufklärung stammt. Dazu passt
auch folgendes: In einem Luxusband über die zehn Gebote hat der früher
sehr bekannte Journalist Thilo Koch das Kapitel über das erste Gebot
mit der hanebüchenen Formel überschrieben „Das Grundgesetz der
Welt“[36].
Gelegentlich können gewisse Zeitgenossen außerhalb der
Psychiatrie verwirrter erscheinen als manche Insassen im offenen Vollzug.
Die
politklerikalen Kruzifix-Fetischisten, die ihr zum Abgott herabgewürdigtes
religiöses Hauptsymbolüberall
und ständig in öffentlichen Räumen an auffälliger Stelle
wahrnehmen wollen, sind ganz offensichtlich Verächter oder gar Feinde
wesentlicher Teile unserer angeblich garantierten Grundrechte. Es stellt
unserem so genannten „weltanschaulich neutralen Rechtsstaat“ ein äußerst
schlechtes Zeugnis aus, dass diese schreienden Missstände
trotz Kruzifixbeschlusses des Bundesverfassungsgerichts und angeblich unabhängiger
Medien fortbestehen und auch nur selten überhaupt beim Namen genannt
werden. Im Übrigen gibt es Christen, die ein „Bilderverehrungsverbot“[37]
aus der Bibel als verbindlich für ihre Lebensführung entnehmen
(z.B. Jer 10,2-5). Derartige strenggläubige
Menschen sind dann sogar weitaus rigoroser als Laizisten, die Kreuzesdarstellungen
nur in öffentlichen Räumen ablehnen, nicht jedoch in Privatwohnungen
oder kirchlichen Einrichtungen. Für einen „wahren Christen“ sind Kruzifixe
dagegen ganz offenkundig in jedem Zusammenhang „nichts als Vogelscheuchen
im Gurkenfeld“ (Jer 10,5).
6.
Vernichtung unerwünschten oder unorthodoxen Schrifttums seit biblischen
Zeiten
Fundamentalistische
Bekämpfung v.a. der Meinungs- und Informationsfreiheit
nach Art. 5 GG
Der
alttestamentliche Prophet Jeremia erhielt nach dem AT (Jer
36) zur Zeit der Bedrohung Israels durch die Babilonier
den Auftrag von Jahwe, Worte des Bundesgottes auf eine Schriftrolle zu
schreiben. Als dem König Jojakim der
Text vorgetragen worden war, ließ der Vorleser die Rolle abschnittsweise
ins Feuer werfen. Da es sich um ein Dokument des „wahren Glaubens“ handelte,
dessen Vernichtung mithin eine Freveltat darstellte, wurden der König
und seine Angehörigen dafür von Gott bestraft. Wesentlich später
– schon zur Zeit des Urchristentums –, als Paulus sein Evangelium machtvoll
predigte und zahlreiche Anhänger gewann, bezeugt die Apostelgeschichte
eine der ersten Bücherverbrennungen im Namen der neuen Religion: „Viele
aber, die da Zauberei getrieben hatten, brachten die Bücher zusammen
und verbrannten sie öffentlich“ (Apg 19,19).
Diese Vernichtung kostbarer Zeugnisse der Volkskultur wurde oftmals als
Gott gefällig angesehen und hat über viele Jahrhunderte bis in
unsere Zeit eine verhängnisvolle Vorbildfunktion ausgeübt.
Das
Nachschlagewerk RGG schreibt unter dem Stw.
„Index“: „Die Unterdrückung von Schrifttum, das aus Glaubensgründen
beanstandet werden“ müsse, habe „größeren Umfang erst mit
der fortschreitenden inhaltlichen Festlegung der Grenzen zwischen Rechtgläubigkeit
und Ketzerei“[38]
gewonnen. Als erste Zusammenstellung verbotener Schriften innerhalb der
katholischen Kirche könne der „Schlußteil des DecretumGelasianum“
vom Anfang des 6. Jh.s angesehen werden. Jedoch erst nach Einführung
des Buchdrucks mit beweglichen Lettern habe die „Indizierung dann allgemeine
Bedeutung“ erlangt. Die erste neuzeitliche Liste des kirchlichen Bücherverbots
stamme von 1549 aus Venedig, während der erste Index aus Rom erst
zehn Jahre später erschienen sei. Die letzte Neuausgabe des Indexlibrorumprohibitorum
sei im Jahr 1948 veröffentlicht worden.[39]
Die damit verbundenen katholischen Zensurbestimmungen galten jedoch bis
1966 und enthielten „die Gewissensverpflichtung, diese Schriften weder
herauszugeben, zu lesen, aufzubewahren, zu übersetzen noch zu verkaufen“.[40]
Man
schätzt, dass von der „heidnisch-antiken
Literatur“ etwa 90% verschwunden ist, was jedoch angeblich „eher auf Nachlässigkeit
als auf Absicht“ zurückzuführen ist.[41]
Ein bedeutender Teil der religiösen Literatur ging während der
Glaubensstreitigkeiten verloren. Im Verlaufe der Christenverfolgungen im
3. Jh. mussten die heiligen Schriften den
Vertretern des Römischen Reichs ausgehändigt werden, was meistens
die Vernichtung durch das Feuer bedeutete. Als die Christen nach Konstantin
gleiche Rechte eingeräumt bekommen hatten,nahmen
sie furchtbare Rache: In den Jahren 435 und 448 „verfügten die Kaiser
Theodosius II und Valentinian III, alle der Orthodoxie widersprechenden
Schriften zu verbrennen, namentlich die des Platonikers Porphyrios
und des angeblichen HäretikersNestorios.“
Kurz danach lesen wir über die erstarkende neue Religion, sie habe
sich schon früh als unersättliche Kulturzerstörerin betätigt:
„Die
Literatur der von der siegreichen Großkirche als gotteslästerlich
eingestuften Häretiker und Schismatiker ging nahezu vollständig
verloren. Das in der Spätantike systematisch vernichtete Schrifttum
der Arianer, Gnostiker, Manichäer
und der nach Hunderten zählenden ,Sektierer’
dokumentiert die erfolgreichste Büchervertilgung der europäischen
Geschichte.“[42]
Während
der Kreuzzüge wurden die Juden vielerorts in Europa verfolgt; deshalb
wanderten Juden aus Deutschland nach Polen und Russland
aus. 1242 wurde der Talmud öffentlich in Paris und anderen Städten
verbrand. 1290 wurden die Juden aus England vertrieben, 1306 aus Frankreich.[43]
Fast zweihundert Jahre später ließ der asketische Mönch Savonarola
am 7. Februar 1497 „Zeichen irdischer Eitelkeit unter Glockengeläut
öffentlich verbrennen, darunter Masken und Kostüme, Schmuck und
Kosmetik, Spiele und Musikinstrumente, Bücher (unter anderem die Schriften
von Petrarca und Boccaccio),
Bilder (namentlich solche von schönen Frauen) und andere Kunstwerke“.[44]Zur
Zeit der heraufziehenden Glaubensspaltung in Europa vernichtete jede Seite
die Bücher und Schriften der religiösen Konkurrenz. So
verbrannte die Universität Köln am 12.11.1520 die Bücher
Luthers und stellte sich damit recht früh gegen die Reformation.[45]
Ein Jahr später wurden Schriften des deutschen Reformators in London
öffentlich von den Flammen verzehrt.[46]
In Frankreich bekämpfte das Parlament den neuen Glauben zunächst
damit, dass die „Bücher Luthers auf
einem großen Blutgerüst vor Nôtre
Dame in Paris“ verbrannt wurden. Später wurden in der Bartholomäusmacht
1572 die meisten französischen Protestanten ermordet.[47]
Luther
verbrannte am 10. Dez. 1520 in Wittenberg zusammen mit der Papstbulle auch
das Buch mit dem katholischen Kirchenrecht (Corpus iuriscanonici);
damit gedachte er seinen Widersachern die gebührende Antwort auf die
Vernichtung seiner Schriften zu erteilen.[48]
In der Reformationszeit gewannen auch verschiedene kleinere Glaubensabspaltungen
und Sektierer Zulauf. Unter ihnen waren die Täufer, die sich in Münster
niederließen und alle Urkunden und Bücher verbrannten außer
der Bibel. Besonders empören musste
es Andersgläubige, dassmissliebige
Bürger durch die „Schwarmgeister“ enthauptet wurden und Gütergemeinschaft
sowie Vielweiberei praktiziert wurden.[49]
– In Böhmen war den Böhmischen Brüdern bereits 1505 die
Verbreitung ihrer »Irrtümer« verboten und die Verbrennung
ihrer Bücher angeordnet worden. Das Nachschlagewerk RGG bezeichnet
das deshalb als „besonders bemerkenswert, weil die Brüder vorher -
aber auch nachher - eine beachtliche kircheneigene Literatur, vor allem
Gesangbücher, Erbauungsschriften, Bibelausgaben, und zwar in der Volkssprache,
geschaffen haben.“[50]
Besonders
im Zeitalter der Erkundung und Ausplünderung ferner Kontinente haben
sich fanatische Christen in der Vernichtung unersetzlicher Kulturgüter
hervorgetan. Ich bringe nur ein Beispiel für viele: Diego de Landa,
der spanische Bischof von Yucatán,
ließ aus finsterem Aberglauben und dem oben geschilderten neutestamentlichen
Vorbild (Apg 19,19) sämtliche
kostbaren Mayakodices und Schriften, deren er habhaft werden konnte, in
einem barbarischen Feuer unwiederbringlich der Vernichtung anheim fallen.
In dem Bericht von 1566 über seine Tätigkeit als Missionar und
Bischof bringt er den unglaublichen Satz zu Papier: „Wir fanden eine große
Menge von Büchern, und da sie nichts als Aberglauben und teuflische
Lügen enthielten, verbrannten wir sie alle.“ Nur drei Mayahandschriften
konnten für Wissenschaft und Nachwelt vor der Vernichtung gerettet
werden.[51]
Es
ist kaum zu fassen, dass es auch in unserer
Zeit Schwachköpfe gibt, die aus gleichem Holz geschnitzt sind: So
begab sich am 3. Okt. 1965 eine Düsseldorfer Jugendgruppe des „Bundes
Entschiedener Christen“ an den Rhein mit Kartons, in denen angeblich minderwertige
Roman- und Magazinhefte transportiert wurden, aber auch Bücher renommierter
Autoren (Grass, Kästner, Nabokow, Camus,
Sagan). Die Feuereifrigen waren 16 bis 21 Jahre alt, wurden von einem evangelischen
Pressefotografen und zwei etwa dreißigjährigen Diakonissinnen
begleitet. Sie hatten die Genehmigung der zuständigen Behörden,
die Druckerzeugnisse mit Benzin zu übergießen und zu verbrennen.Die
evangelische Landeskirche distanzierte sich zwar von den „frommen“ Kulturbarbaren,
nicht aber so der Kongress des Christlichen
Vereins junger Männer: fast 200 deutsche Delegierte
begrüßten
die Bücherverbrennung. Und mehrere Wochen später billigte
die Bundestagung der Entschiedenen Christen
das verzehrende Feuer lebhaft!
Erich
Kästner, dessen Bücher einmal von den Nazis und nun von
Christen
verbrannt worden waren, verfasste 1965 einen
eher traurigen als empörten Kommentar, nachdem die Öffentlichkeit
auf das Vernichtungswerk der verblendeten Pyromanen aufmerksam geworden
war. Wir lesen dazu u.a.: „Die Zeitungen
brachten Leserbriefe, Glossen und Reportagen. Und was taten die kleinen
Brandstifter? Sie waren verblüfft. Sie wiesen jede Anspielung auf
die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 entrüstet von sich. In
einer ihrer Bibelstunden war von einem Briefe des Apostels Paulus an die
Epheser die Rede gewesen und von der Verbrennung heidnischer Zauberbücher.
Nicht Goebbels, sondern Paulus hatte sie inspiriert. Sie kannten nicht
die deutsche, sondern die Apostelgeschichte. Mich verdroß diese Unbildung.
Mich verdroß der bewiesene ,Feuereifer’.
Mich verdroß noch mehr, daß, nach wie vor, von einer spontanen
Aktion die Rede war. Denn junge Christen, welcher Konfession auch immer,
sollten nicht frecher lügen als andere junge Leute. Und am meisten
verdroß mich die Schweigsamkeit der städtischen Behörden.
Denn daß das Amt für öffentliche Ordnung einen bedenklichen
Fehler gemacht hatte, als es nur an den Funkenflug auf dem Karlplatz dachte,
nicht aber an brennendere Probleme, mußte
dem Rathaus längst klargeworden sein. Das Rathaus, das war der Oberbürgermeister.
Und der Oberbürgermeister war, wie ich hörte, ein aufrechter
Sozialdemokrat.“[52]
Am
31.12.2001 stand in Spiegel-Online ein Bericht darüber, mehrere
hundert christliche Fundamentalisten hätten in einer Kleinstadt im
US-Bundesstaat Neu-Mexiko Harry-Potter-Bücher auf einem Scheiterhaufen
verbrannt. Der fanatische Priester Jack Brock bezeichnete Potter als einen
Teufel, der die Menschen zerstöre. Er fügte hinzu, als er einen
Band in die Höhe hielt: „Hinter
diesem unschuldigen Gesicht sitzt die Kraft satanischer Dunkelheit.“
Gelesen habe er zwar keinen dieser Bände, er habe sich aber über
den Inhalt unterrichtet: „Der sei Hexenwerk,
Satanszeug und Anleitung zur Zauberei.“ Die religiösen Dummköpfe
warfen mehrere dutzend Harry-Potter-Bücher
in das Feuer. Auch andere Literatur, die als teuflisch inspiriert angesehen
wurde, verwandelte sich auf dem Scheiterhaufen in Asche. Höchstwahrscheinlich
stand hinter dieser Bücherverbrennung erneut jene unselige Stelle Apg
19,19 aus dem NT, die ich bereits mehrfach in diesem Kapitel als geistigen
Brandstifter nennen musste. Als einigermaßen
erfreulich ist nur zu vermelden, dass sich
gleichzeitig hunderte von Gegendemonstranten
versammelten, die in Richtung auf die Zusammenrottung der fundamentalistischen
Eiferer Losungen hochhielten wie: „Hitler
- Bin Laden - Pastor Brock“.
7.Jesus
als Familienfeind und Verächter des 4. Gebots
Dass
Jesus als religiöser Schwarmgeist möglicherweise nicht ganz richtig
im Kopfe war, könnte man z.B. auch aus diesen sechs Versen bei Lukas
entnehmen: Der Wanderprediger zieht mit seinem Anhang umher, als jemand
zu ihm sagt: „Ich will dir folgen, wo du hin gehst.“ Da erklärt ihm
Jesus, er wisse nie vorher, wo er sich zur Ruhe begebe. Schlussfolgerung:
Er hat offenkundig völlig mit seiner Familie in Nazareth gebrochen,
wo sich ja sein Heim befand. Während nun die warnenden Worte Jesu
den ersten potentiellen Nachfolger abschrecken konnten, wandte er sich
an einen anderen, den er anscheinend unbedingt unter seiner Gefolgschaft
wissen wollte, mit der Aufforderung: „Folge mir nach!“ Der Angesprochene
zeigte sich auch willig, bat aber darum, vorher noch einer sittlichen Familienpflicht
genügen zu dürften: „Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe
und meinen Vater begrabe.“ Da äußert der angebliche Gottessohn
einen absonderlichen Satz, die an den Psychiater erinnern kann: „Laß
die Toten ihre Toten begraben; gehe du aber hin und verkündige das
Reich Gottes!“ Einen dritten gelüstete trotzdem noch, dem weltentrückten
Wanderprediger nachzufolgen, er bat jedoch um Erlaubnis, „daß ich
einen Abschied mache mit denen, die in meinem Hause sind.“ Da geriet aber
auch dieser bei unserem Heiland an den Falschen! Der beschied ihm barsch:
„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht
geschickt zum Reich Gottes.“[57]
Kühnhardt
räumt ein, noch „die Päpste des 19. Jahrhunderts (leisteten)
prinzipiellen Widerstand gegen die politischen Ideen der Französischen
Revolution und damit auch gegen die Menschenrechte.“[61]Erst
Jahrzehnte später leitete die Romkirche eine halbe Kehrtwendung
ein. „Der erste grundlegende Durchbruch der Menschenrechtsidee
in der katholischen Soziallehre erfolgte bei Papst Johannes XXIII.
mit der Enzyklika ,Pacem
in terris’ vom 11. April 1963.“ Dieses Kirchenoberhaupt
vollführte einen wahren Eiertanz, um die menschenrechtsfeindliche
Bibel in diesem Zusammenhang nicht erwähnen zu müssen.
Ihm fielen stattdessen „Ordnungskriterien“
ein, die durch den Schöpfer „ins Innere des Menschen eingeprägt“
seien; hilfsweise bezog er sich noch auf
das menschliche Gewissen als „Leitlinie und Wegweiser“.[62]
Man sollte in Zukunft viel mehr darauf achten, was Menschenrechtsfachleute
und Päpste in bestimmten Zusammenhängen verschweigen!
Schließlich
wird es noch besonders aufregend, nachdem Herr Wojtyla zum Stellvertreter
Gottes aufgestiegen war. Kühnhardt
schreibt: „Bereits zwei Monate nach seiner Wahl äußerte sich
Johannes Paul II. in einer Botschaft an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen [...]: ,Der bedeutsame Anlaß des 30. Jahrestages der Allgemeinen
Menschenrechtserklärung bietet dem Hl. Stuhl Gelegenheit, wieder einmal
Menschen und Völkern sein ständiges Interesse und seine Sorge
für die Grundrechte des Menschen zu bekunden. Diese Grundrechte
finden wir in der Botschaft des Evangeliums selbst mit aller Klarheit
ausgedrückt.“[63]Eine
geistige Atombombe! Ich frage dazu: Kann ein so genannter Heiliger Vater
wie ein gemeiner Lügner das genaue Gegenteil einer ganz unbezweifelbaren
Wahrheit behaupten? Ja, er kann das. Denn die „Heilige Schrift“ erteilt
in solchen Fällen eine Absolution oder Sondererlaubnis nach Röm
3,7: „Wenn aber die Wahrheit Gottes durch meine Lüge herrlicher wird
zu seinem Preis, warum sollte ich dann noch als ein Sünder gerichtet
werden?“ Ja, warum eigentlich?
Kühnhardt
wägt seine Worte sehr genau, wenn er so unverfänglich und verharmlosend
wie möglich fortfährt: „Diese
Aussage des Papstes steht nicht in der Kontinuität der herkömmlichen
Lehraussagen. Im 19. wie im frühen 20. Jahrhundert war die katholische
Kirche noch auf entschiedene Distanz zur Menschenrechtsauffassung
gegangen, wie sie in der liberalen Diskussion um Verfassungs? und Rechtsstaat
geführt worden war. Papst Johannes Paul II.,
indem er das Evangelium als Quelle dieser Menschen? und Grundrechte
angibt, stellt die Position seiner Vorgänger im Lehramt deutlicher
als jemals zuvor gewissermaßen auf den Kopf. Nicht länger werden
Menschenrechte als antikirchliche, wahrheitszersetzende Vorstellungen
abgelehnt.“ Er behaupte von „der modernen Grundrechtsauffassung
einen dezidiert christlich?biblischen Ursprung.“ Nun wird Wojtylas Meinung
nochmals ziemlich abstrus: „Menschenrechte werden zu einer Brücke,
um Gott zu ehren. Ohne Gottesrechte gibt es für ihn keine Menschenrechte“[64].
Atheisten will dieser wohl etwas verwirrte Greis dann augenscheinlich keinerlei
Menschenrechte zubilligen, obwohl er häufig das nicht ganz verdaute
unbiblische Wort „Toleranz“ wiederkäut.
Kühnhardt
behauptet nun recht kühn, mit dem polnischen Pontifex „übernimmt
die katholische Kirche endgültig jenes Grundrechteverständnis,
welches in den völkerrechtlichen und rechtsphilosophischen Positionen
der Zeitgeschichte zum Ausdruck kommt.“[65]
Spätestens hier müssen wir dem päpstlichen Menschenrechtshochstapler
in einigen Punkten ganz energisch widersprechen. Er und seine autoritäre
Organisation bekämpfen nachdrücklich folgende Rechte: Freiheit
auf unreligiöse und antireligiöse Weltanschauung; verantwortungsvolle
Geburtenkontrolle unter Einbeziehung sämtlicher allgemein akzeptierter
Möglichkeiten, volle Gleichberechtigung Homosexueller; Abtreibung
wenigstens nach Vergewaltigung, Schädigung der Leibesfrucht und
sozialer Indikation; Sterbehilfe für unheilbar Schwerkranke; Priesterheirat,
Gleichberechtigung der Frau in geistlichen Ämtern, Freiheit von Forschung
und Lehre auch in der Theologie ohne Dogmen und kirchliche Sanktionen.
Wie
eine kurvenreiche Frau am Kühler eines Sportwagens als Blickfang für
die Ware „Auto“ dienen soll, so benutzt der Weltreisende Wojtyla, dem es
augenscheinlich immer mehr an Körper- und Geisteskraft gebricht, die
Menschenrechte als Lockvogel für die Mission seines alten, neu
verpackten Ladenhüters „Religion“.
Anmerkungen