Vorstellung des bfg Erlangen e.V.

Wer und Was ist der Bund für Geistesfreiheit Erlangen e.V. ?

Der bfg Erlangen ist eine Weltanschauungsgemeinschaft, die sich den humanistischen Zielen der europäischen Aufklärung verpflichtet sieht. Wir verstehen uns als Teil der freigeistigen Bewegung in Bayern, in Deutschland und weltweit, einer Bewegung, die sich auf die Erklärung der Menschenrechte aus der Französischen Revolution von 1789 bezieht. Diese Bewegung hat  von Anfang an gegen die Mächte gekämpft, die den Menschen in Unmündigkeit halten wollen: Gegen den Obrigkeitsstaat und gegen den Machtanspruch der christlichen Kirchen und anderer dogmatischer Religionsgesellschaften. Daher ist der bfg Erlangen auch korporatives Mitglied des BfG Bayern und des Internationalen Bundes des Konfessionslosen und Atheisten (IBKA).
Der bfg Erlangen ist parteipolitisch unabhängig. Wir treten aber ein für politische Ziele, insbesondere für die Verwirklichung der unveräußerlichen Grundrechte des Menschen, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 durch die Vereinten Nationen als gemeinsames Ziel aller Völker und Nationen verkündet wurden. Wir setzen uns ein für Toleranz in allen Lebensbereichen und insbesondere für den Schutz von Minderheiten, die nach den Standards der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN zu Unrecht diskriminiert werden.
Wir sind überzeugt, dass sozialer Fortschritt in erster Linie durch eine rationale und kritische Wissenschaft ermöglicht wird und dass religiöse Dogmen und Denkverbote hierfür die größten Hindernisse sind. Daher treten wir uneingeschränkt für die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre ein. Wir fordern, dass die im deutschen Grundgesetz vorgesehene Trennung von Kirche und Staat tatsächlich ernst genommen und durchgesetzt wird. Wir wenden uns mit Nachdruck gegen den Machtanspruch der Kirchen, die Lebensverhältnisse von Menschen zu bestimmen, die diesen Organisationen gar nicht angehören: in der Frage der Stammzellforschung, in der Frage der Abtreibung (§ 218 StGB) oder in der Frage der aktiven Sterbehilfe (§ 216 StGB).
Wir fordern, dass der Staat allen Bürgern/innen eine Bildung ermöglicht, die auf dem Boden des wissenschaftlichen Fortschritts steht und die ihnen volle Entfaltung ihrer Persönlichkeit erlaubt.
Die persönliche Freiheit gilt uns als das höchste Gut des Menschen. Wir verteidigen daher entschieden die  Glaubens- und Gewissensfreiheit und damit auch die Freiheit, keinerlei religiösen Glauben zu haben. Der bfg Erlangen wahrt die Interessen seiner Mitglieder als kirchenfreier Staatsbürger/innen und unterstützt sie gegen Übergriffe von staatlicher, wirtschaftlicher und konfessioneller Seite.
Die Mitglieder des bfg Erlangen sind bestrebt, die Grundsätze einer humanistisch geprägten Aufklärung auch im Alltag zu verwirklichen und ein Leben in Verantwortung für ihre Mitmenschen zu führen. Wir lehnen Rassismus und Nationalismus in jeder Form ab und unterstützen den Gedanken der Völkerverständigung.
Da diese Ziele nur in einer friedlichen Welt, frei von Furcht und Not, allgemein verwirklicht werden können, treten wir für die Ächtung des Krieges und jeder Form militärischer Gewalt ein. Wir bekämpfen jede Form von Militarismus und fordern eine allgemeine Abrüstung. Internationale Konflikte müssen vor internationalen Gerichten gelöst werden, nicht durch den Einsatz von oder die Drohung mit militärischer Gewalt. Wir betrachten die Wehrpflicht und den Einsatz von Waffen zur Konfliktlösung als unvereinbar mit unseren Grundsätzen. Daher beraten wir jeden sowohl in Fragen des Kirchenaustritts als auch der Kriegsdienstverweigerung.

Aus der Geschichte des Bundes für Geistesfreiheit Erlangen

Der bfg Erlangen ist hervorgegangen aus der „Freien religiösen Gemeinde Erlangen“, die am 24. Mai 1906 gegründet wurde. Diese Vereinigung benannte sich am 1. März 1925 in „Volksbund für freigeistige Bewegung (Freireligiöse Gemeinde)“ um. Sie wurde am 06. April 1935 durch die nationalsozialistischen Machthaber verboten und aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es am 15. Januar 1948 zu einer Neugründung unter dem Namen „Freireligiöse Gemeinschaft Erlangen“. Am 24. Mai 1981 feierte der Bund für Geistesfreiheit Erlangen sein 75jähriges Bestehen mit einer großen Veranstaltung im Erlanger Redoutensaal. Festredner war Karl-Heinz Deschner mit einem eindrucksvollen Vortrag über das Thema „Humanität ohne Gott“.
Schon vor der Gründung der Freien Religiösen Gemeinde Erlangen im Jahr 1906 gab es in Erlangen eine Vereinigung, die als „Freie christliche Gemeinde Erlangen“ am 25. Februar 1849 gegründet worden war und die sich als Gemeinschaft von Personen verstand, die den christlichen Kirchen nicht angehörten. Sie hatte bis zum Jahr 1851 217 Mitglieder. In den Nachbarstädten Nürnberg und Fürth waren ebenfalls freie christliche Gemeinden gegründet worden: am 24. Dezember 1848 in Nürnberg und am 1. Februar 1849 in Fürth. Aber schon ein Jahr später, im Februar 1850, begann eine zunehmende Verfolgung der freien Gemeinden durch die klerikale Reaktion. Am 2. November 1851 wurde den Gemeinden die Anerkennung als Religionsgemeinschaft entzogen. Am 21. Mai 1852 erließ die bayerische Regierung ein Verbot sämtlicher freichristlicher Gemeinden in Bayern. Die Mitglieder der Gemeinden hatten unter dem Verbot schwer zu leiden: sie wurden als Hochverräter behandelt, ihre Sprecher wurden des Landes verwiesen, Beamte, die sich zu den freien Gemeinden bekannten, wurden mit Entlassung bedroht.

Während es in Nürnberg und Fürth bereits Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts zur Wiederbegründung der freien christlichen Gemeinden kam, erfolgte eine entsprechende Gründung in Erlangen erst im Jahre 1906. Obwohl in Erlangen mit Ludwig Feuerbach (1804–1872) einer der bedeutendsten Vordenker der freigeistigen Bewegung tätig war  –  Feuerbach hat hier 1828 seinen Doktor gemacht und lehrte als Privatdozent bis zum Jahr 1832  –  scheint Feuerbach auf die Gründung der „Freien christlichen Gemeinde Erlangen“ keinen direkten Einfluss gehabt zu haben. Feuerbach hatte 1830 anonym seine „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit“ veröffentlicht, eine scharfe Kritik des Christentums, und wurde, nachdem seine Verfasserschaft bekannt geworden war, aus dem Lehrkörper der Erlanger Fakultät ausgeschlossen. Auch sonst scheint es kaum eine Beziehung zwischen den Angehörigen der Universität und der freichristlichen Gemeinde gegeben zu haben, weder im 19. noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Sprecher der Erlanger Freien religiösen Gemeinde Erlangen bzw. des Volksbundes für freigeistige Bewegung waren Arbeiter aus der Sozialdemokratie (die damals noch erheblich kirchenkritischer war als die SPD nach dem Zweiten Weltkrieg): der erste Vorsitzende bei der Gründung im Jahre 1906 war Nikolaus Schmidt, ein Metalldrücker, der die Gemeinde zunächst bis zum Jahre 1908 leitete. Ihm folgte ab März 1908 Franz Gassenmeyer, ein Schuhmacher, der im Februar 1910 von Heinrich Hofmann, einem Mechaniker, als Vorsitzendem abgelöst wurde. Von März 1911 bis zum Januar 1920 hatte dann wieder Nikolaus Schmidt den Vorsitz inne. Vom 13. Januar 1920 bis zum 29. März 1921 war dann Andreas Ruppenstein, Sekretär beim Arbeitsamt Erlangen, der Vorsitzende. Ihm folgte im Jahr 1921 Konrad Möhrenschlager, Geschäftsführer, der die Gemeinde bis zum Verbot durch die Nazis im Jahre 1935 leitete.
Nach der Neugründung unter dem Namen „Freireligiöse Gemeinschaft Erlangen“ im Jahre 1948 war zunächst Simon Schönberger der erste Vorsitzende. Ihm folgte ein Jahr später Friedrich Stumpf, der Geschäftsführer des Industrie- und Handelsgremiums Erlangen.

Den Zielen des bfg dienen:

1. Öffentliche Veranstaltungen (u. a. Vorträge und Vorlesungen), mit denen wir auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, aber auch mit den Mitteln künstlerischen Schaffens die Gedanken der Aufklärung und der freigeistigen Bewegung vermitteln;

2. gemeinsame Unternehmungen der Mitglieder, die der Geselligkeit, aber auch der gemeinsamen Erweiterung unserer Kenntnisse sowie der Kontaktaufnahme mit den Mitgliedern anderer Organisationen mit verwandten Zielen dienen;

3. Arbeitstagungen, öffentliche und interne Diskussionen zur Klärung philosophischer und ethischer Probleme der gesamten Gesellschaft und zur Klärung unserer Position in für unsere Vereinigung zentralen politischen Grundsatzfragen;

4. die Verbindung zu Presse, Rundfunk und Fernsehen, die Veröffentlichung und der Vertrieb von Büchern und Zeitschriften, ferner die Zusammenarbeit mit (...) allen Organisationen mit verwandten Zielen;

5. Feiern zu Geburt, Religions- und Weltanschauungsmündigkeit (Jugendfeier/ "Jugendweihe"), Vermählung und Tod
 
 

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(Ludwig Feuerbach: bedeutender freigeistiger Philosoph des 19. Jahrhunderts)
Der Ludwig-Feuerbach-Platz samt Gedenkstein in Erlangen ist neben der Gaststätte "Unicum"
am Röthelheim Campus zu finden

Hintergrund: Ein Ludwig-Feuerbach-Platz für Erlangen
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