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Hermann Kraus - Nachruf auf unser Ehrenmitglied
der am 14. März 2013 mit 85 Jahren verstorben ist.....


(Hermann Kraus in Nürnberg 1999 anläßlich des Kosovokrieges-
Text frei nach Erich Kästner 1928 - Rias Füße in der Mitte)

siehe auch: "Zivilcourage" (ZC) Nr. 2 - Mai/Juni 2013   Seite 19

Die DFG-VK-Gruppe Erlangen (-Forchheim-Bamberg) trauert um Hermann Kraus, Mitglied seit 1956 (damals IdK)

Unser Freund, der Pazifist Hermann Kraus, ist tot. Zeitlebens kämpfte er gegen Militär und Klerikalismus. Und so erzählte er aus seinem Leben (Geschrieben am 31. Januar 2001 für das Friedensmuseum Nürnberg für die Ausstellung über die Friedensbewegung der 50er Jahre): 

„In meiner Münchener Studentenzeit lief das Maus-und-Katz-Spiel mit der Polizei und Universitätsleitung beim Flugblattverteilen, beim Parolenmalen und Volksbefragen gegen Remilitarisierung und Zwangsrekrutierung wie eine einzige Anekdote ab. Tagsüber brachten wir uns vor der Universitätsleitung durch einen Sprung auf städtischen Grund und Boden in Sicherheit - vor der Polizei aber durch einen Sprung auf den Grund und Boden der Universität. Nachts widmeten wir uns der Kunst des Malens. Es durften auch die saubersten Mauern der Uni mit den einschlägigen Parolen bemalt werden, ohne dass der FDJ-Hochschulgruppe Geschwister Scholl wegen der Schmiererei als solcher moralische Vorhaltungen gemacht wurden - denn die Geschwister Scholl hatten gegen die (Nazi-)Krieger das gleiche getan. Nachdem wir uns von unseren nächtlichen Streifzügen erholt hatten auf unseren Studentenbuden und wieder brav zur Uni gingen, sahen wir bewundernd der weiblichen Putzkolonne zu, die sich mit Hingabe, Schrubbern und recht unvollkommenem Erfolg der Entfernung der Friedensschrift widmete. Auf dunklen Backsteinmauern in der Nähe der Uni hielten sich unsere Friedensparolen jahrelang. An die Stelle der weißen Farbe trat der hellrote, mit den Schrubbern freigelegte Backsteinuntergrund in jugendlicher Frische."

„Meine hartnäckigen Mini-Beiträge zu Freiheit in Frieden, menschlicher Emanzipation im in-dividualgesellschaftlichen wie im gesamtgesellschaftlichen Bereich befriedigten und befriedigen mich auch dort, wo sie keinen messbaren Erfolg hatten und haben. Es stärkt die menschliche Persönlichkeit, laut Goethe das höchste Glück, wenn ein Mensch Widerstand leistet gegen Unmenschlichkeiten aller Art -wenn er sich nicht sklavisch den Zwängen einer hierarchischen Gesellschaft unterwirft. Umso größer die Freude, wenn doch einmal kleine Schritte zur Humanisierung der Einzelnen wie der Gesellschaft erzielt werden können. ... Und immer wieder finden sich aufs neue Menschen, die sich zu einer solidarischen Mitarbeit für Frieden durch Abrüstung, für soziale und liberale, eben für humanitäre Ziele entschließen. Auch das ist zu den Erfolgen der gesellschaftskritischen Arbeit zu zählen."



(Transparententwurf von Hermann Kraus zum Volkstrauertag in Erlangen 2006 - Text von Erich Kästner)

Hermann Kraus, (auch) ein deutscher Lebenslauf:

1927 geboren in Neustadt/Aisch, aufgewachsen ab dem 10. Lebensjahr in Ochsenfurt, 1943 Flakhelfer in Würzburg

1945 Not-Abitur

1946 Germanistik-Studium Würzburg, anti-klerikalistische Opposition gegen schwarz(-braune) Professoren

1949 Volkswirtschaft-Studium Universität München, friedenspolitisches Engagement gegen Remilitarisierung und
         Zwangsrekrutierung, Zusammenarbeit mit FDJ, KPD u.a.

1952 bei Jugendkarawane gegen die Remilitarisierung" in Essen, wo der Arbeiter Philipp Müller von der Polizei
         erschossen wurde; Verhaftung als vermeintlicher FDJ-Rädelsführer

1954 als diplomierter Volkswirt Hilfsarbeiter bei Grundig/Fürth, bis zur Kündigung als Rädelsführer; Volkskorrespondent der
         kommunistischen Tageszeitung „Bayerisches Volksecho", wurde 1956 mit KPD-Verbot geschlossen

1956 Eintritt in die IdK (Internationale der Kriegsdienstgegner), daraus entstand die heutige DFG-VK

1957 Heirat der Arbeitskollegin/KPD-Genossin Lotte Wittmann

1962 bis 1986 Angestellter, später Geschäftsführer beim Bund für Geistesfreiheit Nürnberg (heute HVD Nbg.)

1963 frühzeitiger Tod von Hermanns Frau Lotte

1964 Gründung einer Wohngemeinschaft mit einer geschiedenen freigeistigen Gesinnungsgenossin und ihren Kindern, später
         Öffnung der WG für weitere Partner/innen ohne Trauschein

1967 Entstehung der Nürnberger APO nach Anti-NPD-Demo gemeinsam mit DGB und CSU, und anschließender
         Festnahme zusammen mit Horst W. Blome, einem berüchtigten Kabarettisten zu dieser Zeit.

1974 Bürgerinitiative „Kommunales Eros-Center Goethe-Haus" (die "Abendzeitung" berichtete ausführlich damals)

1978 Mitgründer der „Initiative für humanes Sterben nach Wunsch  der Sterbenden", daraus wird die „Deutsche Gesellschaft für
         humanes Sterben" (DGHS)

1982 „Feier-Initiative für aktionspazifistische bzw. entmilitarisierte Gestaltung von  Volkstrauertagen"
          und anderen Kriegsgedenktagen

bleibt zu ergänzen:

2006 Tod seiner langjährigen Lebens- und Kampfgefährtin Ria Heinrich

2009 Pflegeheim in Fürth, 14. März 2013 Sterbetag von Hermann Kraus




Hermann Kraus und Ria Heinrich beim Ostermarsch 2003 in Nürnberg



Hermann Kraus:
Aufruf als friedenspolitischer Nachlass und Mahnung

Hermanns selbstfinanzierte ANZEIGE im Lokalteil der Fürther Nachrichten Seite 3 (NN/NZ) vom Freitag 13. März 2009:

Warum brauchen wir Friedensdenkmäler?

Wo Friedensdenkmäler errichtet werden, erhebt sich der Ruf nach finanziellen Zuwendungen an die zu ehrenden Menschen.
Kriegsdenkmäler dagegen könnten psychologisch bei ganzen Generationen hindurch die Kriegsbegeisterung schüren.
In Nürnberg zelebriert die Bundeswehr-Luftwaffe eine alljährliche Heldenverehrung zum Volkstrauertag am Luit-
poldhain. Ihre Kriegstoten, sprich ihre „Gefallenen" werden wie eh und je ausgezeichnet (analog EKI. und II.).   •
„Feldjäger" ersetzen zunehmend die örtliche Polizei, um solche Veranstaltungen zu schützen, so geschehen bei
einem Rekrutengelöbnis im Sommer 2008 auf Nürnberger Stadtgebiet. Das Militär mischt sich in das zivile Leben
immer mehr ein. Wir sagen: Das darf nicht sein!

Haben die Medien die heutige Kriegsgefahr erkannt?

Nach zwei Weltkriegen wird heute die dritte Weltkriegskulisse vorbereitet mit noch entsetzlicheren Waffen, zerfetzten Leibern von Menschen und Tieren als je zuvor. Die Gelder, die Industriestaaten zu wirtschaftlichen und kriegerischen Zwecken zugestanden werden, fehlen jährlich Millionen von Menschen in ärmeren Ländern zum Überleben.
Geheimdienste schieben die Kriegsgründe den Benachteiligten zu, um gegen sie einen „gerechten Krieg" oder einen so genannten „Krieg gegen den Terror" führen zu können.

Positive Zeichen setzen!

Folgende Oberbürgermeister aus unserer Region könnten und sollten ein ermutigendes friedliches Gegengewicht zu reaktionären Auswüchsen setzen. Verantwortlich für die Sicherheit der zivilen Bevölkerung sind die (zivilen) Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis (Erlangen), Dr. Thomas Jung (Fürth), Dr. Ulrich Maly (Nürnberg). Letzterem ist zu besonderer Gesprächsbereitschaft zu danken: „Ein Denkmal kann sicherlich zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und zur Mahnung für künftige Generationen beitragen." Jedoch bevorzugt Ulrich Maly persönlich die Erziehung der jüngeren Generation zum Frieden, weil sie wirksamer sei.
Wir sind der Meinung, dass beide Möglichkeiten in Betracht kommen sollten, um den Friedensgedanken in der Bevölkerung wach zu halten.

Liebe Erlanger, Fürther, Nürnberger und Umgebung: Wenden Sie sich bitte mit Unterschriftenlisten an Ihren Oberbürgermeister, damit dieser bei seinen Stadträten einen entsprechenden Antrag für ein Friedensdenkmal stellen kann.

INITIATIVE FRIEDENSDENKMÄLER V.i.S.d.P. Hermann Kraus
 




"Drei-Königs-Demo" Nürnberg Airport 2003 am Vorabend des Irakkriegs

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