01 Isi Kunath (Freischaffende Künstlerin aus Erlangen)
02 Riesige Nadeln gegen das Vergessen (von Klaus Springen, EN)
03 Bilder von der Baustelle "Denkmal Objekte"

01 Isi Kunath

Freischaffende Künstlerin aus Erlangen

Isi Kunat

Mein künstlerischer Beitrag zum Stadtjubiläum Erlangens beschäftigt sich mit dem Thema Denkmalschutz. Meine Frage ist, wie wird Stadtgeschichte im alltäglichen Stadtbild sichtbar? Sind Denkmäler noch "zeitgemäß"? Ich möchte den Bürgern dieser Stadt eine Diskussionsgrundlage schaffen. Dazu ein Text von Norbert Huse aus seinem Buch "Unbequeme Baudenkmale":
"Die Einsicht, dass zu den Ressourcen eines Landes nicht nur seine Wirtschaftskraft und die Effizienz seines Sozialsystems gehören, sondern auch seine Geschichte und deren bauliche Hinterlassenschaft, hat noch wenig Resonanz. Denkmale gelten deshalb trotz ihrer inzwischen beträchtlichen wirtschaftlichen Bedeutung zum Beispiel für Handwerk und Tourismus in der Regel noch immer nicht als Reichtum, sondern als Stolpersteine. So gut wie alle Denkmalschutzgesetze verlangen als Voraussetzung für Schutz und Pflege nicht nur bestimmte Gegenstandsmerkmale, sondern auch ein öffentliches Interesse an der Erhaltung. Wer dieses Interesse wo, wann und wie vertritt, wird in der Regel nicht gesagt. Dass es in einem demokratischen Gemeinwesen nicht einfach von der Exekutive wahr genommen werden kann, liegt auf der Hand, aber auch an eine Diktatur der Denkmalpfleger werden die Gesetzgeber kaum gedacht haben. Ebenso klar ist, dass über das wohlverstandene langfristige Interesse der Allgemeinheit nicht einfach populistisch entschieden werden kann. Ein Diskurs tut viel mehr not, der rechtzeitig und öffentlich geführt werden muss, nicht erst dann, wenn wieder einmal ein Abriss bevorsteht. Ein solcher Diskurs könnte vielleicht helfen, in der breiten Öffentlichkeit ein Denkmalbewustsein entstehen zu lassen, das der komplexen Wirklichkeit der Denkmale besser gerecht wird als das gegenwärtige. Es müsste zumindest im Grundsatz akzeptieren, dass es bei Denkmalpflege nicht um den schönen Schein, um Herstellung heiler Welten und rekonstruierenden Geschichtsersatz gehen kann, sondern nur um den verantwortlichen Umgang mit der Geschichte."

02 Riesige Nadeln gegen das Vergessen

Beitrag zum Stadtjubiläum - Diskussion um Denkmalschutz - Hürden der Bürokratie überwunden
von Klaus Springen

"Was soll der Krampf ?"
Mehrfach hat sich Isi Kunath wenig geistreiche Bemerkungen dieser Art anhören müssen. Die Erlanger Künstlerin hat 16 verschwundene historische Orte und Denkmale im ganzen Stadtgebiet mit großen rotköpfigen Pin-Nadeln zu markiert. Das Kunstwerk zur 1000-Jahr-Feier wurde am Donnerstag, 11. April 2002, auf dem Hugenottenplatz vollendet und offiziell übergeben.
Die leicht schräg gesetzten Nadeln sind am Bohlenplatz, an Theaterplatz, im Schlossgarten, der Schwabachbrücke an der Palmsanläge oder auch in Eltersdorf an de Autobahn zu sehen. Sie sind installiert in Betonfundamenten, an ihrem Fuß sind in den Boden eingelassene Tafeln zu finden, aus denen hervorgeht, was an dieser Stelle einmal zu sehen war.
Viel Engagement notwendig Ganz leicht war es der Künstlerin nicht, ihr Projekt zu verwirklichen. Aber mit viel Engagement hat sie es geschafft, Sponsoren zu finden und auch die Hürden der Bürokratie zu überwinden. Zur Geschichte des Kunstwerks gehören unter anderem Baugenehmigungen für jede der 16 Nadeln. Die Erlanger Künstlerin will mit diesem Stadtjubiläums-Beitrag eine Diskussion über den Denkmalschutz, die Erhaltungswürdigkeit von historischen Orten und Denkmäler anregen. Dabei geht es ihr nicht vordergründig um eine Erhaltung um jeden Preis, vielmehr will sie anregen, einmal zu hinterfragen wann ein Bau zum Denkmal wird und wie lange es als solches erhalten werden soll.
Dazu gehört auch als Beispiel das marode, gerade einmal 30 Jahre alte Erlanger Rathaus: Soll man es abreißen oder nicht, lohnt es sich, für die Sanierung des Gebäudes über 20 Millionen Euro auszugeben, wie lange wird es nach der Sanierung noch stehen und ist es als zukünftiges Baudenkmal denkbar?

Isi Kunaths Arbeit ist Ergebnis des Projekts "Erlangen Parcours", an dem eigens zum Stadtjubiläum an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg eine Klasse Kunst und öffentlicher Raum von Prof. Johannes Peter Hölzinger gearbeitet hat (die EN berichteten). Mit Eingriffen der Kunst die emotionale Bindung der Bewohner an ihren Ort fördern, das Interesse an seinem sozialen und baulichen Schicksal wecken und vielleicht die aktive Teilnahme am Gestaltungsprozess des städtischen Lebensraumes anstoßen, war als Aufgabenziel definiert.

03 Bilder von der Baustelle "Denkmal Objekte"

Eine Künstlerin ist nicht nur Künstlerin sondern auch Managerin, Konstrukteurin, und, und ...
Hier: Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.



Aber nach getaner Arbeit - spätestens bei der Einweihungsfeier - kommt auch ein Lächeln hervor.

Mit Hilfe eines fahrbaren Baukrans wurden die Masten und die rote Kugel montiert.





Die nachfolgenden Bilder zeigen, daß für alle Kunstobjekte ein enormes Fundamnet erforderlich war.




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