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Zum Jahresende 2001

 

Zwiegespräch mit einem Jahr

Du altes Jahr, nun ist die Zeit gekommen,
auch deine Tage sind nun schon gezählt.
Ich stehe da und bin noch ganz benommen,
und doch sind alle Weichen schon gestellt.
Du altes Jahr, was hattest du versprochen,
als du noch neu warst wie ein weißes Blatt.
Wer hat deine Versprechen nur gebrochen,
und warum bist du jetzt so müd' und matt?
Bald heißt es, auch von dir Abschied zu nehmen,
du hast so viele Abschiede
gebracht.
Es bleibt in mir ein stummes
Sehnen,
es bleiben mir die Sterne in der Nacht.
Du gehst. Ich werde noch ein bißchen bleiben.
Gedanken jagen wild durch mein Gemüt.
Ich werde dir ein Abschiedsbrieflein schreiben
von allem, was geschah und noch geschieht.
Du altes Jahr, ich seh' die
Silberstreifen,
die deine Zeit dir in die Strähnen
flocht.
Ich seh' dich nochmals nach den Sternen
greifen,
doch kleiner, immer kleiner wird dein
Docht.

Es bleiben uns nur noch ein paar
Momente,
dankbar zu sein - für alles,
was geschah - ,
und dann, ja dann ist deine Zeit
zu Ende,
und — ICH BIN NOCH DA — !

( Ingrid Bichler 2001 )