Gedränge im Äther
Wenn's eng wird auf 95.8 MHz
Die Presse spricht von einem Gerangel um die Frequenzen in der Nürnberger Radiolandschaft. Grund dafür geben die bevorstehenden Verhandlungen für die neuen Anbietervertäge der Privatsender mit der Bayrischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Ende 1998 laufen diese aus, doch schon jetzt zeichnet sich im Vorfeld der Verhandlungen im Frühjahr '98, ein Ringen um die knappen Radiofrequenzen ab.
Vornehmlich der französische Radiomulti Radio Energy (NRJ) wetzt seine Messer gegen Radio Z. Dieser muß sich mit dem nicht-kommerziellen Sender und "Exoten im Frequenzendschungel" die Radiowelle 95,8 MHz teilen. Ein Umstand, der quer zu dem Ziel NRJ's, 24 Stunden ein flächendeckendes Programm im Großraum Nürnberg, Fürth und Erlangen zu beschallen, steht.
Mafiös?
Nach den Vorstellungen des Multis soll Radio Z von 95,8 MHz runter und sich mit dem Aus- und Fortbildungskanal (AFK) die Frequenz 91,0 MHz, der diese im Januar '98 bezieht, teilen. Der AFK sendete sein Programm bisher nur via Kabel. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich 91,0 MHz als nachteilige Welle, denn es handelt sich dabei um eine schwache Frequenz, die nicht über die Autobahnen A3, A9 und A6 um Nürnberg herum hinausreicht. Diese schwache Frequenz wird als Stützfrequenz bezeichnet, da sie mit einer Sendeleistung von nur 50 Watt ausgestattet ist (95,8 MHz sendet mit 300 Watt!). Das würde für die Mitglieder von Radio Z in Erlangen, Schwabach, Roth und Umland bedeuten, daß sie ihren Sender nicht mehr empfangen könnten. Für Radio Z ein unakzeptabler Vorschlag.
Nach den Vorstellungen des Multis soll Radio Z von 95,8 MHz runter und sich mit dem Aus- und Fortbildungskanal (AFK) die Frequenz 91,0 MHz, der diese im Januar '98 bezieht, teilen. Der AFK sendete sein Programm bisher nur via Kabel. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich 91,0 MHz als nachteilige Welle, denn es handelt sich dabei um eine schwache Frequenz, die nicht über die Autobahnen A3, A9 und A6 um Nürnberg herum hinausreichet. Diese schwache Frequenz wird als Stützfrequenz bezeichnet, da sie mit einer Sendeleistung von nur 50 Watt ausgestattet ist (95,8 MHz sendet mit 300 Watt!).
Das würde für die Mitglieder von Radio Z in Erlangen, Schwabach, Roth und Umland bedeuten, daß sie ihren Sender nicht mehr empfangen könnten. Für Radio Z ein unakzeptabler Vorschlag.
Hinter vorgehaltener Hand wird die Möglichkeit erwogen, die Stützfreqenz als vollwertige Frequenz auszubauen. Jedoch muß eine neue Frequenz öffentlich ausgeschrieben werden. Interessierten Privatsendern oder Radiovereinen muß gesetzlich die Möglichkeit geben werden, Anträge auf Benutzung der Frequenz zu stellen. Das bedeutet wiederum für die BLM eine Welle von Anträgen müssen verarbeitet, Gelder für den Ausbau der Stützfrequenz aufgetrieben und finanzielle Mittel, für etwaigigen Ausfall der ersten zwei Jahre bei einem Umzug eines Senders auf eine neue Frequenz, bereitgestellt werden. An soviel Verwaltungsaufwand ist der Dachverband BLM jedoch nicht interessiert. Aber warum sollte dann Radio Z die Frequenz wechseln? Genauso gut könnte NRJ auf die erweiterte 91,0 MHz ziehen. Oder die Radiovereine oder Privatpersonen die schon lange für eine neue Frequenz Schlange stehen.
Gezinkte Karten
NRJ spielt in diesem Clinch mit gezinkten Karten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des französischen Multis wurden aufgefordert nach Verstößen, Versprechern oder Fehlern im Radio Z Programm zu fahnden, und gegebenenfalls mutmaßen, ob die/der Moderatorin/Moderator unter Alkohol oder Drogeneinfluß stünde. Leider erwies sich diese Strategie als die Grube, die man sich selbst gräbt. Der grünen Medienrat Claus Haupt hat aufgrund dieser unschicklichen Vorgehensweise, NRJ einen Tag überprüfen lassen und stellte "Fehlzeiten, nicht angekündigte Werbeblöcke und Schleichwerbung" fest.
NRJ spielt in diesem Clinch mit gezinkten Karten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des französischen Multis wurden aufgefordert nach Verstößen, Versprechern oder Fehlern im Radio Z Programm zu fahnden, und gegebenenfalls mutmaßen, ob die/der Moderatorin/Moderator unter Alkohol oder Drogeneinfluß stünde. Leider erwies sich diese Strategie als die Grube, die man sich selbst gräbt. Der grünen Medienrat Claus Haupt hat aufgrund dieser unschicklichen Vorgehensweise, NRJ einen Tag überprüfen lassen und stellte "Fehlzeiten, nicht angekündigte Werbeblöcke und Schleichwerbung" fest.
Dies ist aber immer noch kein Grund für Radio Z die Sache für erledigt zu halten. Eine unangenehme Konkurrenz ist und wird Radio Energy für Radio Z auf dem knappen Frequenzenmarkt bleiben.
Wer steckt hinter NRJ?
Die Anfänge dieses Senders liegen in Frankreich zu Beginn der 80er Jahre. Jean-Paul Baudecroux gründete 1981 einen Radioverein, der Musik ganz nach seinem Geschmack senden sollte. In Frankreich galt aber "Werbung verboten!" und somit für Privatsender als eine schwer zu nehmende Hürde. Doch Baudecroux konnte aufgrund seiner Überredungskünste genügend wichtige Leute von seinem "quasi nicht-kommerziellen" Konzept überzeugen und im Hörfunk Frankreichs mitmischen.
Schon wenige Jahre später zeigte sich NRJ als erfolgreicher Privatsender. Werbung war mittlerweile erlaubt und drei Parteimitglieder der Regierungspartei saßen im Verwalungsrat des Senders. 1984 gingen sogar 100.000 Menschen auf die Straße, um für den Erhalt des Privatsenders zu demonstrieren. Nun, ca. 14 Jahre später, ist ein finanzstarkes Unternehmen mit über 3 Milliarden Börsenkapital daraus geworden. 250 Radiostationen in Europa gehören dem Multikonzern an und die Einnahmen durch Werbung usw. beliefen sich im Jahr 1993 auf 111 Millionen Francs. Das Konzept des "quasi nicht-kommerziellen" Senders mußte wirtschaftlichen Zielen weichen.
1995 dringt NRJ bis nach Franken vor und kauft den bis dato eher finanziell schlecht bestückten Sender "Down-Town" auf, der sich mit Radio Z die Frequenz teilte.
Auszeichnung
Mit drei Projekten, deren Themenbereich im herkömmlichen Hörfunk von eher zu kurz bis gar nicht beachtet werden, zeigt Radio Z mal wieder die ganze Breite seiner Berichterstattung. Mit der "Radiogruppe Frechdachs - Kids aus Schafhof on air" handelt es sich um Sendebeiträge, die von 10 Kindern und Jugendlichen aus dem städtischen Kinderhort in der Neumeyerstraße/Schlachthof gestaltet sind. Dabei kommen Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen zu Wort und berichten über ihre Anliegen, Probleme, Interessen usw. Sei's mit einem Aufklärungsbericht über die "Kinderversammlung", sei's mit einem Portrait über eine für Kinder oder Jugendliche interessante Person oder einfach nur eine erzählte Geschichte. Mit diesem Projekt wurde Radio Z von der "Youth Action Europe - einer europäischen Kampagne von Toyota und Phil Collins zur Unterstützung von Jugendlichen" mit 10.000 US$ ausgezeichnet.
Ein weiteres Projekt läuft ab Januar über den Äther, mit dem Titel "Jugendliche Spätaussiedler im Radio". Junge Einwanderinnen und Einwanderer aus osteuropäischen Ländern wollen vorerst ein einstündiges und einmonatiges Magazin gestalten, in dem Fragen Raum finden, die durch einen "Kultursprung" bzw. das Leben zwischen zwei Kulturen aufgeworfen werden. Dieses Magazin soll ferner als Medium dienen, den Jugendlichen die Informationsvielfalt und Wertepluralität der westlichen Gesellschaft näher zu bringen.
Mit dem dritten Projekt, ein Radio für und von behinderten und nichtbehinderten Menschen, beschreitet Radio Z einen Alleingang in der Medienwelt. Bislang wurde von seitens behinderter Menschen beklagt, daß Radioprogramme sich nur an den Belangen nichtbehinderter Menschen orientieren. Radio Z richtet hierfür nun eine Sendung ein, die den Titel "Radio Handicap" trägt. Ziel der Sendung ist nach Radio Z: "...eine emanzipierte, nicht nach Mitleid heischende Berichterstattung über alle das Zusammenleben von behinderten und nichtbehinderten Menschen betreffende Themen."
hube