Spielebesprechung
Ursuppe
Lange schon getestet und geplant ist jetzt endlich gerade noch rechtzeitig zu den Essener Spieltagen die "Ursuppe" von Doris und Frank erschienen. Neben "Euphrat und Tigirs" und der Wiederauflage von den "Machern" eines der drei großen und aufwendigen Spielen, die in Essen erschienen sind.
Obwohl die Regeln nicht sehr lang sind - gerade mal vier Seiten - handelt es sich doch um ein komplexeres Spiel; die verschiedenen Mechanismen eröffnen den SpielerInnen eine Unzahl von Möglichkeiten, die es abzuwägen gilt. Daher dauert dieses Spiel, das auf drei oder vier Personen zugeschnitten ist, auch gut zwei Stunden; es ist also kein zockiges Spiel, sondern fließt ruhig dahin, ohne aber je zäh zu werden.
Wie der Name schon mitteilt, ist das Thema des Spiels in der Urzeit angesiedelt. JedeR SpielerIn hat einen Amöbenstamm, den es zu entwickeln gilt. Zu Beginn können die Amöben recht wenig fressen und sich in Strömungsrichtung treiben lassen; wenn kein entsprechender Nährstoff auf einem Feld ist, kann eine Amöbe auch wild zappeln, um vielleicht auf ein nahrhafteres Feld zu gelangen. Dabei werden nur fremde Nährstoffe gefressen und eigene ausgeschieden, so daß die Zusammensetzung der Ursuppe sich laufend verändert.
Mit der Zeit kann aber der eigene Amöbenstamm durch geeignete Gene verbessert werden. Die eigenen Amöben können dann vielleicht sich gezielter oder schneller bewegen, genügsamer fressen, sich günstiger vermehren oder auch fliehen, falls ein anderer Amöbenstamm das Aggressionsgen besitzt.
Natürlich wollte jedeR ihren/seinen Stamm hemmungslos vermehren und mit den nützlichsten Genen ausstatten, stünde dem da nicht die begrenzte Anzahl von Biopunkten gegenüber, mit denen neue Amöben und Gene erworben werden können; außerdem sind die verschiedenen Gene nur in einer begrenzten Anzahl verfügbar, so daß vorausschauend geplant werden muß. Und zudem kann es auch noch zu Gendefekten kommen, wenn die Empfindlichkeiten aller eigenen Gene größer als die Dicke der Ozonschicht ist.
Die Anzahl der eigenen Amöben und Genkarten bringen den Punktezählstein am Ende einer jeden Runde vorwärts; das Spiel endet, wenn Zählsteine in den Zielbereich kommen oder nach einer festen Anzahl von Runden. Wer dann den eigenen Punktestein am weitesten vorn hat, hat gewonnen.
Das Reizvolle an der "Ursuppe" ist, daß es eine Vielzahl von Aktionsmöglichkeiten gibt, es sich aber nur für einiges Wenige entschieden werden kann. Es ist also kein reines Taktikspiel, da nicht nur durch das Regelwerk einige Glückselemente eingebaut sind, sondern ich auch nie genau vorausplanen kann, da ich nicht weiß, für welche der vielen Möglichkeiten sich die anderen MitspielerInnen entscheiden werden. Trotzdem kommt nie das Gefühl auf, die eigene Entscheidung würde einem durch den Zufall abgenommen. Und obwohl ich hauptsächlich die Entwicklung des eigenen Amöbenstammes im Blick habe, gibt es doch durch die verschiedenen Genkarten die Möglichkeit, fremde Mitspieler ein wenig zu behindern.
Die "Ursuppe" besticht nicht nur durch die Regelmechanismen, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt sind, sondern auch durch die üppige Ausstattung. Das schlägt sich allerdings auch auf den Preis, der mit 90 bis 100 Mark relativ hoch, nach meiner Meinung aber der Ausstattung entsprechend angemessen ist.
Die "Ursuppe" ist - schon allein wegen der relativ langen Spieldauer von zwei Stunden und des stolzen Preises - wohl kein Spiel für GelegenheitsspielerInnnen. Alle aber, die Spaß an Spielen mit ausgefeilten und verzwickten Spielmechanismen haben und wert auf eine gediegene Ausstattung legen, werden an der "Ursuppe" ihre Freude haben.
uwe
Ursuppe
AutorInnen:
Frank Nestel und Doris Matthäus
Gestaltung: Doris Matthäus
Verlag: Spiele von Doris und Frank
SpielerInnen: 3 oder 4
Spieldauer: ca. 2 Stunden
Preis: 90 bis 100 Mark