Esoterik und Faschismus
Eine Betrachtung zum Vortrag von Jutta Ditfurth

Immer mehr Menschen wenden sich der Esoterik zu. Dies wäre eigentlich nicht so schlimm, wenn sich nicht Seiteneffekte auf die politische Entwicklung der Gesellschaft ergeben würden. Über diese Wirkungen referierte Jutta Ditfurth am 18. Juni in der PhilFak Erlangen vor ca. 350 Interessierten.

Der sehr unterhaltsam gestaltete Vortrag trug den Titel "Entspannt in die Barbarei" und thematisierte vor allem die Geisteshaltung von Menschen, die den esoterischen Lehren anhängen. Anhand des Beispiels der Schauspielerin Barbara Rütting 1 zeichnete Jutta Ditfurth (JD) den typischen Lebensweg eines Menschen auf der Suche nach esoterischer Erleuchtung nach. Dies blieb teilweise nicht ohne Komik, da Frau Rütting einiges ausprobiert hatte.

Aber es wurde auch deutlich, daß die Esoterik - in fast allen ihren Facetten - gemeinsame Merkmale aufweist, die einem linken Selbstverständnis konträr gegenüberstehen. Gemeinsame Nenner sind u.a. die Mystifizierung der Natur, strenge Hierarchien bis hin zum Führerkult, ein "natürliches" Frauenbild und nicht zuletzt Rassismus.

Typisch für EsoterikerInnen ist, sich als "Erleuchtete" zu sehen und einer "elitären Gruppe" zugehörig zu sein. Mehr oder weniger "geheimnisvolle Riten" dienen dem Zweck, die Gruppe nach außen abzugrenzen und den inneren Zusammenhalt zu stärken.

Durch diese "Innenschau" geht der Blick nach außen verloren. Bei krassen Differenzen mit dem inneren Wohlgefühl und der äußeren Welt treten andere Mechanismen in Kraft: Das Elend in der Welt ist Teil des "Karmas", jedeR verschuldet selbst, was ihm/ihr wiederfährt. Dieses simple Erklärungsmodell der Welt erfüllt den Zweck, daß Probleme, die andere Menschen haben, als Teil der Natur anzusehen sind - sie sind "Gottgegeben" - und damit nicht mehr das Problem der EsoterikerInnen, die zumeist aus gutem Hause kommen und keine finanziellen Probleme haben.


Weltweit

Völlig anders sind die Strukturen zu betrachten, die den Esoterik-Boom fördern. Hier unterteilt JD die MacherInnen in zwei Gruppen: Die Wahnsinnigen und die Machtgierigen. Erstere sind arme Irre, die das Zeug, das sie verbreiten, selbst glauben und ansonsten eher harmlos sind - von eingen Ausnahmen abgesehen. Die Machtgierigen jedoch sind organisiert, verfolgen ein Ziel und gehen dabei nicht zimperlich vor. Zumeist kommen sie aus rechten bis ultrarechten Zusammenhängen; Altnazis beispielsweise, die nach dem Krieg eine andere Strategie einschlugen, um ihre Theorie von "Blut und Boden" unters Volk zu bekommen. International betrachtet haben diese Leute nicht selten Machtstellungen in Politik und Wirtschaft - und somit auch das Geld, um ihre Ideen und Wertvorstellungen zu verbreiten. Unter dem Deckmäntelchen des "Biozentrismus" scharen sie AnhängerInnen um sich, die - zumeist unbewußt - ihren Zielen förderlich sind.


Gegenstrategien

Angesichts der ausufernden Esoterik-Bewegung wurde die Frage nach Gegenstrategien der Linken laut. Eine Antwort fiel JD nicht leicht. Sie forderte die intensive Auseinandersetzung von "echten" Linken und ihren esoterisch verblendeten GenossInnen. Dies müsse notfalls soweit führen, daß "unbelehrbare" aus linken Zusammenhängen ausgeschlossen werden.

Wichtig sei aber auch, daß sich linke Gruppen zuerst mit der Thematik auseinanderzusetzen hätten, um eine solide argumentative Basis gegen die EsoterikerInnen zu haben. Vielfach werde das Ausmaß der Bedrohung libker Werte und Ziele gar nicht erkannt. Sogar Menschen, die ein "linkes" Selbstverständnis haben, sind nicht vor der Gefahr gefeit, durch ihr esoterisches Tun rechte Ziele unterstützen.

müller