Alternativ-Projekte wie haben es nicht leicht. Ärger um Fördergelder, Programmverstöße und unklare Verantwortlichkeiten gab es in der schon elfjährigen linken Radio-Geschichte zuhauf. Radio Z haben es nicht leicht. Ärger um Fördergelder, Programmverstöße und unklare Verantwortlichkeiten gab es in der schon elfjährigen linken Radio-Geschichte zuhauf. auf. Energy aber ist ein ganz anderer Brocken. Der französische Radiomulti hat schon oft durch eine aggressive Geschäftspolitik auf sich aufmerksam gemacht. In Berlin fiel dieser Strategie vor 5 Jahren der freie Sender Radio Hundert zum Opfer, in Nürnberg ist nun Radio Z bedroht.
Als Großkonzern will Energy nämlich unbedingt möglichst flächendeckend Vollfrequenzen, um die Werbezeit noch lukrativer vermarkten zu können. Da stört die Teilhabe eines freien Radios nur. Zu unterschiedlich sind die Programmformate. Während Energy die Charts vorwärts und rückwärts spielt (die CDs werden per Wechsler eingeschoben) und es mit journalistischen Beiträgen eher mau ausschaut, da sie die magische Zwei-Minuten-Grenze nicht überschreiten dürfen und sich meist auf Wetter und Verkehr sowie Diskothekenwerbung beschränken, versteht Radio Z sich explizit als Medium der Gegenöffentlichkeit. Kurdische AktivistInnen gehen ebenso auf Sendung wie autonome Antifas, zahlreiche Sprachen erklingen aus dem Äther, behinderte oder psychisch kranke Menschen kommen in speziellen medienpädagogischen Projekten zu Wort, Schwule und Feministinnen greifen die herr-schende Geschlechterordnung an, die Strafzeit ist für die Knackis in der Nürnberger JVA da, die Spätzünder für die Belange alter Menschen, kaum ein Abschiebehäftling, über dessen Fall nicht ausführlich berichtet wird, denn für den anderen Blickwinkel auf Themen ist das tägliche Infomagazin Stoffwexl zuständig, nicht zu vergessen die ungewöhnlichen musikalischen Klänge, die aus einfach allen Sparten Extravagantes zu Gehör bringen.
Ich will auch in Zukunft Radio Z auf 95,8 Mhz |
Eigentlich erstaunlich, daß die erzwungene Zusammenarbeit überhaupt so lange gut ging. Fraglich ist nur, ob Herr Janßen nicht doch etwas voreilig mit seiner Erfolgsmeldung war. Denn entscheidungsbefugt in Sachen Frequenzvergabe bzw. -verlängerung oder -veränderung ist die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien, die BLM in München und die entscheidet erst im Dezember über den mittelfränkischen Mediendschungel. Doch offenbar kann sich der finanzkräftige Anbieter freuen, denn die BLM neigt stark dazu, den eigentlich verantwortlichen Medienrat auszuhebeln und offiziellen Entscheidungen vorzugreifen.
Zuletzt zeigte sich dies am Verkauf der bayerischen Radio Gong-Kette, die für satte 50 Millionen Mark am Donnerstag, dem 14. Oktober, per Medienratsentscheid an ein Konsortium aus dem Burda-Verlag, dem Nürnberger Unternehmer Günter Oschmann und 10 bayerischen Zeitungsverlegern ging. Vorbehalte, daß diese im Medienmarkt zu sehr verstrickt seien, mochte man in München nicht gelten lassen. Dabei ist Oschmann schon an rund 50 % der bayerischen Lokalradios beteiligt, er ließ sogar über einen Strohmann, den Rechtsanwalt Schwenk, den Nürnberger Sender Hitradio N1 aufkaufen und mittlerweile offiziell in sein Imperium integrieren. Ihm gehören auch Beteiligungen an Radio Charivari ("Herzflimmern"), Gong in seiner alten Form, dem Zulieferer BLR, dem einzigen landesweiten Privatsender Antenne Bayern sowie an dem bundesweiten Volksmusikdudler Radio Melodie. Kein Wunder also, daß Gong, Charivari, N1 und Radio F alle zusammen im Funkhaus in der Senefelder Straße untergebracht sind, so lassen sich Personal- und Technikkosten sparen, da nur noch eine gemeinsame Redaktion existiert. Natürlich wurde Radio Z in das erlauchte Funkhaus nicht mit aufgenommen, die bunten Äther-TäterInnen hätten ein wohl ein schlechtes, werbeumfeldunfreundliches Bild abgegeben. Radio Z erhielt aber auch keine Entschädigung für diese Benachteiligung und verschärfte Wettbewerbssituation.
Nun bekam Oschmann auch noch 10 % vom Gong-Kuchen ab. Burda, das mit 40 % den Hauptzuschlag erhielt, ist seinerseits Hauptanteilseigner an der Antenne Bayern. Auch die 10 bayerischen Zeitungsverlage, die nun ebenfalls 40 % von der Gong-Kette übernehmen, sind bereits kräftig in den Medienklüngel verstrickt. Auch hier ist die Nürnberger Situation exemplarisch: 4 der 5 privaten Vollfrequenzen gehören bereits dem Konsortium, hinter dem die großen Quasi-Monopol-Zeitungen Nürnberger Nachrichten, Nürnberger Zeitung und indirekt die Abendzeitung sowie die Süddeutsche Zeitung stecken. Mit dem Gong-Deal, der geglückten Übernahme der Anteile des angeschlagenen Sebaldus-Verlages ist das bayerische Medien-Monopol also perfekt. Kein Wunder, sind Günter Oschmann und Helmut Markwort vom Burda-Vorstand, der auch das Focus-Magazin leitet, doch persönliche Spezln von BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring. Unverblümt ergriff der BLM- Leiter für seine Amigos Partei und bootete kurzerhand weitere Bewerber um die Gong-Anteile aus. So hatte der Münchner Unternehmer David Dornier in Zusammenarbeit mit dem Heinrich Bauer-Verlag ganze 10 Millionen mehr als das siegreiche Burda-Konsortium geboten, wurde aber ebenso abgelehnt wie weitere Kaufinteressenten, z.B. Bertelsmann oder die FAZ.
Aber ohne eine Kooperation mit den bayerischen Zeitungsverlegern fehlte Herrn Ring der geforderte weiß-blaue Lokalbezug. Natürlich befinden sich diese alle im Burda-Konsortium, aber trotzdem sieht Ring hier eine "besonders vielfältige Gesamtstruktur". Hätte Dornier den Zuschlag erhalten, sei dies nicht der Fall. Dabei ist Dornier, der ein Medienmogul wie die anderen auch ist, zumindest in Bayern noch nicht in den Medienmarkt so verflochten und verstrickt wie die Gewinner des Gong-Verkaufs. Er hält Radio-Anteile in Berlin, Aachen, Wien und Linz, aber eben noch nicht in Stoiber-Land. Nun tobt Dornier öffentlich, Ring hätte den Markt aus "persönlichen Verpflichtungen künstlich zugemacht". Unrecht hat der Verlierer damit keinesfalls, wie auch eine Nachfrage des Gewerkschaftsmedienrates Walter Essbauer bei der entscheidenden Sitzung zeigte. Er sprach von einem bereits im Vorfeld entschiedenen Verfahren und kritisierte die Arbeitsvorlage als undurchsichtig. Das offenbarte, daß die zuständigen MedienrätInnen gar keine Ahnung von den genauen Beteiligungsverhältnissen hatten. Bei den zahlreichen Tarnfirmen, deren genaue Beteiligungen und vor allem deren Hintermänner völlig unklar sind, ist es tatsächlich fast unmöglich, Verquickungen zu erkennen. Essbauer bekam zur Antwort, daß das entsprechende Kataster über einzelne Gesellschafter aufgrund von Computerproblemen leider noch nicht fertig sei, gab sich aber damit zufrieden und segnete den Gong- Deal mit ab. Einzig Frauke Ancker, die Vorsitzende des bayerischen Journalistenverbandes, wagte in dem tiefschwarzen Gremium, das mit Landfrauen, KirchenvertreterInnen und Vertriebenen nicht ganz paritätisch besetzt ist, eine Gegenstimme. Sie kritisierte, daß nur 4 der Zeitungsverlage sich an die Tarifverträge halten, alle anderen arbeiten hauptsächlich mit freien MitarbeiterInnen und verfahren nach dem hire and fire-Prinzip. Leider gäbe es ihrer Meinung nach keine rechtliche Alternative zur Medienkonzentration, da sich die BLM juristisch im Rahmen des Erlaubten bewege, obwohl sie als Journalistin die sinkenden Qualität von Sendungen und den schwindenden Wortanteil bedauere. So versprach Frauke Ancker, sich für Radio Z als buntem Fleck im Einheitsbrei stark zu machen und alles für den Erhalt des Projektes zu tun, um zumindest etwas Vielfalt zu sichern.
Solidarität kam mittlerweile auch von den Bündnisgrünen, auch wenn deren offizieller Kurs von Radio Z, sei es in der Kriegs-, Umwelt- oder Asylpolitik, häufig kritisiert wird. Die Landtagsabgeordnete Christine Stahl stellte eine mündliche Anfrage, um die Wichtigkeit von Meinungsfreiheit und Vielfalt in der Medienlandschaft zu betonen. Geklüngel, versuchte Einflußnahme im Vorfeld und Absprachen in Sachen Frequenzdschungel gibt es auch in Erlangen. Unvergessen ist der Brief des Erlanger CSU-Oberbürgermeisters im Mai letzten Jahres an die BLM, Energy doch bitte als Erlanger Lokalsender mit einer Vollfrequenz zu bedenken. Radio Z sei unpassend als Frequenzpartner, und Energy sei durch die Kooperation der anderen Sender im Nürnberger Funkhaus benachteiligt. Der Erlanger Oberbürgermeister mußte von Janßen nicht überredet werden, man scheint sich bestens zu verstehen. "Da Ihnen aufgrund persönlicher Erfahrungen die Z Problematik geläufig ist, verzichte ich an dieser Stelle auf Erläuterungen" schrieb Janßen an den Oberbürgermeister und legte gleich einen passenden Briefentwurf an die BLM bei - um des Oberbürgermeisters "mehr als ausgefüllten Arbeitstag nicht mehr als notwendig zu belasten". Balleis übernahm Janßens Textvorschlag wortgetreu und enthielt seine Stellungnahme für Energy dem Stadtrat vor bzw. sprach das Thema nicht in einem öffentlichen Gremium an. Allerdings fiel der Briefwechsel der Grünen Liste in die Hände, welche daraufhin Radio Z informierte und durch Anfragen und Briefe etwas Staub aufwirbelte. Wiederum, wie auch meist im Medienrat, ist das Hauptargument die vielgelobte Durchhörbarkeit einer Frequenz sowie der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Der Wirtschaftsstandort, in diesem Fall der Stadt Erlangen, wird zum alles entscheidenden Kriterium erhoben. Da stören nicht nur Strukuren wie die Basisdemokratie von Radio Z, sondern natürlich auch seine Inhalte. Es ist schwierig, nach einem Beitrag über die NS-Vergangenheit der Firma Siemens oder ihrer Atompolitik eine entsprechende Werbung zu senden. Darum aber ist ein Medium, das Gegenöffentlichkeit schafft. wichtiger denn je, macht, hört, unterstützt Radio Z! Werdet Mitglied, wendet euch an die BLM mit Protesten!
Claudia