Knapp 62 Jahre nach der NS-Pogromnacht kehrt das jüdische Leben offiziell wieder nach Erlangen zurück. Anfang April bezog die israelitische Kultusgemeinde ihr neues Zentrum in der Hauptstraße 34 und weihte dort eine Thora-Rolle ein. Vorausgegangen war eine feierliche Prozession durch die Stadt, an der sich ca. 500 Menschen beteiligten, darunter auch jüdische MitbürgerInnen aus Fürth und Nürnberg. Und da in den Unions-Parteien momentan Inder-Hass und nicht Antisemitismus en vogue ist, konnte auch unser geliebter OB Ball wieder einen pressewirksamen Auftritt hinlegen. Summa summarum: Nach langem Tauziehen mit den Behörden findet die Gemeinde nun endlich ein festes Zuhause.
Erfahrungsberichte und Tips hat es zuhauf, zudem gibt es eine Europa-Karte der besetzten Häuser.
Dabei wollen die Squatter aber nicht in der eigenen Nische braten,
sondern klar links Flagge zeigen. So finden auch Infos zum Polizeiterror
oder den "sauberen Innenstädten" bei ihnen Platz. Bleibt noch anzumerken,
dass die Website gut lesbar ist und sehr professionell dreinschaut.
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Russischer Antimilitarist sprach in Nürnberg
Auf Einladung der DFG-VK kam Nikolai Chramov, Mitglied der russischen Antimilitarist Radical Association (ARA), Ende März nach Gostenhof, um über den Tschetschenien-Krieg zu berichten. Chramov erläuterte das immer schon spannungsgeladene Verhältnis zwischen Tschetschenien und Rußland, das 1991 seinen vorläufigen Höhepunkt in der Ausrufung der Tschetschenischen Republik fand. 1994 folgte der erste russische Überfall, der nach einem fehlgeschlagenen Aufstand gegen den damaligen Präsidenten Dudaev einsetzte. Nach 45.000 Toten und zwei Jahren Krieg verpflichte sich Rußland in Verhandlungen u.a. dazu, Tschetschenien beim Wiederaufbau zu unterstützen. Ein Versprechen ohne Resultate - die innere Erosion der Kaukasusrepublik beschleunigte sich rasch. Der aktuelle Krieg ist für Chramov als Auseinandersetzung verschiedener Mafia-Clans (der Jelzin/Putin-Mob gegen die tschetschenischen Warlords) zu werten. Zudem entspräche die Regierbarkeit Tschetscheniens nunmehr der Somalias. Der Referent vermied es jedoch bewußt, im Kampfgebiet "Gute" und "Böse" finden zu wollen: Machterhaltung und -ausweitung seien die Triebfedern aller Beteiligten.
Im Knast: der KDVler Dimitrij Neverowsky
Chramov beschuldigte das russische Militär, in der Kriegszone "Konzentrationslager" für Mißliebige und sog. Verdächtige einzurichten und attestierte allen Kriegsparteien eine "fruchtbare Zusammenarbeit" bei der Ausrottung der Zivilbevölkerung. So seien seit Spätherbst 1999 bereits 30.000 tote Zivilisten zu beklagen. Die russischen Soldatenmütter sprechen ergänzend von 10.000 gefallenen Söhnen - die offiziellen Angaben belaufen sich auf 2.000. Den Hauptteil seiner Ausführungen widmete der ARA-Aktivist der Lage der russischen Deserteure und KriegsgegnerInnen. Das Recht auf KDV existiert seit 1992 - aber nur auf dem Papier. Schon im ersten Krieg desertierten Tausende von Wehrpflichtigen; einige Hundert wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Eine 1997 erlassene Amnestie fand kaum Umsetzung. Chramov ging detailliert auf den Fall des Dimitrij Neverovskij ein, der aus politischen Gründen nicht in den Krieg ziehen will und deshalb 1999 zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Neverovskij, der als Symbolfigur des Widerstands gilt, befand sich zwischenzeitlich im Hungerstreik, um gegen seine Haftbedingungen (keine Heizung, Schläge vom Wachpersonal etc.) zu protestieren. Natürlich warb Chramov auch für die Unterstützung der Antikriegs-Bewegung. Die ARA und befreundete Gruppen haben in Rußland bisher zwei große Demos auf die Beine gebracht, mit insgesamt ca. 1.000 TeilnehmerInnen. Die Demos gelten als außerordentlicher Erfolg, da nach offiziellen Angaben ca. 70 Prozent des russischen Volkes hinter dem Krieg stehen. In Nürnberg regte Chramov die Entwicklung von Ideen an, wie man von der BRD aus den Deserteuren helfen und Druck auf die Kriegsparteien ausüben könne - und traf auf das Eingeständnis der Zuhörer, dass die Linke nicht mal im Jugoslawien-Krieg Energien mobilisieren konnte. Für leichtes Grummeln sorgte im nur spärlich besetzten Auditorium die Erkenntnis, es bei Chramov nicht mit einen 100%igen Linken, sondern "nur" mit einen bürgerlichen Kriegsgegner zu tun zu haben. Seine Botschaft, der Tschetschenien-Krieg sei ein Verbrechen, konnte dadurch aber nicht entwertet werden.
Soli-Mails für Dimitrij Neverovskij an: hrobn@glasnet.ru
Die ARA erreicht man hier:
Mail: ara@glasnet.ru
Netz: www.ara.ru
"Stoppt den zweiten Tschetschenien-Krieg":
Demo in Moskau im November 1999
Ende Februar kam die Antwort der Grünen Wladimirs - und damit ein kompromissloses Statement in Sachen Kriegsbefürwortung und Geschichtsverdrehung.
Man gestand zwar Menschenrechtsverletzungen ein, aber beim aktuellen Waffengang drehe es sich um nichts geringeres als die Bekämpfung des Faschismus. Dabei sollten gerade die Deutschen wissen, dass man sich mit Hitler auch nicht demokratisch einigen konnte. Der Krieg sei so die einzige Möglichkeit, die Tschetschenen von einer terroristischen Banditenarmee zu befreien, um anschließend wieder demokratische Lebensstrukturen auf-bauen zu können. Moskau treffe an der ganzen Entwicklung nur wenig Schuld. Schließlich habe man regelmäßig Geld für Bildung, Medizin und Renten nach Tschetschenien geschickt - Geld, das "schamlos und frech in dunkle Kanäle geleitet" worden sei. Konsequent blendeten die Grünen Wladimirs die historische Entwicklung und damit auch den ersten Uberfall Russlands auf die Kaukasusrepublik komplett aus. Eine Verurteilung des Krieges könne nur auf einem "Informationsdefizit" beruhen. Um schräge Vergleiche bemüht deutete man zudem ein Was-Wäre-Wenn-Szenario an, in dem sich eine Verbrecherorganisation in den Bayerischen Alpen zusammenschließt, um von dort aus die ganze BRD heimzusuchen.Fazit: Die Grünen Wladimirs lassen jegliches Differenzierungsvermögen vermissen und machen sich mit ihrem Brief zum verlängerten Arm der russischen Kriegspropaganda. Die Faschismuskeule ist dabei besonders peinlich - aber leider auch sehr trendgerecht. Man denke nur an Fischerjockels dummdreiste Auftritte zu Zeiten den Jugoslawien-Krieges.
Beats against fascism! Samstag, 13. Mai 2000 12.00 Uhr bis 16.00 Uhr Fürth, Bahnhofsvorplatz
Kundgebung mit den Flamingo Massacres (melod. Hard-Core), Floert, DJ Tobias (Radio Z), DJ Maddas (Trance), Straßentheater, Vokü, Jongleuren 16.00 Uhr Fürth, Bahnhofsvorplatz (beatvolle) Demonstration ab 19.30 Uhr im TKKG, Kulturkammergut, Lange Straße 81, Fürth: Benefiz-Party mit der Fürther Uraufführung des Original Fürther Polizeichors, Nine Daise Wonder (Punk-Rock), Something is rotten in the state of wallawallabingobong (Punk-Rock aus dem Berlin der 20er Jahre), DJane Wally (Lead wt bass), DJ Jörg Freitag (Dancefloor 2030), Coctailbar & lecker Essen
BEATS AGAINST RACISM! Präsentiert von der Autonomen Landjugend Fürth
Neue Adresse des Freenet: www.fen-net.de/
Daß es auch anderes geht, zeigte die Stadt Erlangen in den Jahren 1984 und 1995 mit dem "City-Bus", der auch das Theater anfuhr. Aber mit dem Bus fahren, ist halt doch nicht dasselbe, und Umwelt ist eh mega-out. Jahrelang war Ruhe um den Autotempel, weil die Stadt dafür kein Geld hatte. Jetzt soll ein "privater Investor" diese Tiefgarage bauen.
Diese AnwohnerInnen drohten mit einem Bürgerbegehren. Dies taten sie so überzeugend, daß CSU und FDP es nicht riskieren wollten, eine solche Abstimmung zu verlieren. Sie zogen es vor, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, und selbst im Stadtrat den Antrag zu stellen. Da kann man sich dann immerhin noch als guter Demokrat verkaufen, wenn es für die Tiefgarage "daneben geht". Es ist mit einem aufwändigen Wahlkampf zu rechnen, der Investor läßt sicher was springen. Also: dagegen stimmen!
Bundesdistriktrichter William Yohn muß sich für oder gegen eine Überprüfung der Protokolle entscheiden, die die gefälschten Beweise und den amtlichen Meineid enthalten, von dem der Prozess 1982 geprägt war.In diesem Prozess wurde Mumia Abu-Jamal durch die systematische Verletzung seiner Grund- und Verfassungsrechte angeklagt und zum Tode verurteilt. Seit 18 Jahren in Pennsylvania's Todestrakten, steht der vielfach ausgezeichnete Journalist Mumia Abu-Jamal stolz und entschlossen seinen selbsternannten Henkern gegenüber, stetig seine Unschuld bezeugend, während er für die Sache all derer eintritt, die unter Ungerechtigkeit und Unterdrückung leiden. Dies ist der entscheidende Moment! Am 13. Mai werden Demonstrationen in San Francisco und Philadelphia stattfinden, um Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal zu fordern. Wir werden für einen Stopp der Hinrichtung kämpfen, und ein neues Verfahren fordern, gerade wenn jetzt das Gericht möglicherweise zum ersten Mal bereit sein könnte, die so lange unterdrückten Beweise anzuhören, die Mumia Abu-Jamals Unschuld aufzeigen. Wir rufen jede Organisation, die an Menschen- und demokratischen Rechten festhält, auf, in jedem Land eine größere Anzahl von Menschen zu erreichen als je zuvor, um sich an einer gewaltigen Bewegung zur Rettung des Lebens von Mumia Abu-Jamal zu beteiligen. Am 13.Mai müssen die Strassen rund um die Welt mit einem Meer von Menschlichkeit gefüllt sein, um unverzügliche Gerechtigkeit zu fordern. Unsere Stimmen sind umfassend und representativ für alle Lebensbereiche. Unserer Bewegung haben sich angeschlossen:
Führende religiöse Persönlichkeiten: Erzbischof Desmond Tutu, der katholische Bischof Thomas Gumbleton, Martin Luther King III., Revernd E. Randell Osburn von der Southern Christian Leadership Conference. Führende politische Persönlichkeiten: Nelson Mandela, Danielle Mitterand, Dick Gregory und diverse Parlamentsmitglieder von Europa bis Brasilien und Martinique,genauso wie das japanische und europäische Parlament. Schriftsteller und Künstler: Aime Cesaire, Toni Morrison, Sonia Sanchez, Harry Belafonte, Ossie Davis, Danny Glover und Paul Newman. Gewerkschaftsführer aus Afrika, Asien, Lateinamerika, Europa und den USA. Die internationale Hafenarbeiter- und Lagerhausgewerkschaft, die letztes Jahr an der gesamten Westküste der USA gestreikt haben, um damit Mumia zu unterstützen, haben eine Welle der internationalen Solidarität unter den Gewerkschaften ausgelöst.
Mumia Abu-Jamal war über 30 Jahre lang Zielscheibe staatlicher Verfolgung, wie 800 Seiten an geheimen FBI- und Polizeiakten aufzeigen, die sich nun in den Händen von Mumias Anwälten befinden. Der 13. Mai markiert außerdem den 15. Jahrestag der mörderischen Bombardierung des MOVE Hauses (durch die Polizei und das FBI) in Philadelphia. Mumias Unterstützung der MOVE Organisation im Bezug auf ihre demokratischen Rechte, war ein Schlüsselelement in der Geschichte seiner polizeilichen Verfolgung. Weder die Gerichte noch diejenigen, die die staatliche Macht innehaben, sind immun gegen den Aufschrei der Öffentlichkeit. Laßt uns den politischen Preis für den staatlichen Mord und die Ungerechtigkeit in Mumias Fall unbezahlbar hoch treiben! Laßt uns am 13. Mai zu Millionen alle Grenzen überschreiten, um das Leben einer heldenhaften Person zu retten und Gerechtigkeit für ihn zu gewinnen! Laßt uns darauf bestehen, daß der Staat, um gleiche Rechte für alle vor dem Gesetz zu gewährleisten, eingreifen muß, wenn gerichtliche Verfahren verdreht werden und so fundamentale Rechte verletzen. Stoppt die Hinrichtung! Für einen neuen, fairen Prozess! Jetzt! Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal!
Unterzeichnet von: The International Concerned Family and Friends of Mumia Abu-Jamal; The Emergency National Conference to Save the Life of Mumia Abu-Jamal, February 19, 2000, New York City; May 13 Coalition/Mothers Against Police Terror; The Mobilization to Free Mumia Abu-Jamal; and the National Coordinators of Mumia's Defense as follows: Pam Africa, International Concerned Family and Friends of Mumia Abu-Jamal * Safiya Bukhari, New York Coalition to Free Mumia Abu-Jamal * Herman Ferguson, Malcolm X Commemoration Committee * C. Clark Kissinger, Refuse and Resist! * Jeff Mackler, The Mobilization to Free Mumia Abu- Jamal (California) * Monica Moorehead, International Action Center * Joan Parkin, Campaign to End the Death Penalty * Marcus Rediker, Western Pennsylvania Comm. to Free Mumia Abu-Jamal * Muhjah Shakir, Jericho Amnesty Movement * Mark Taylor, Academics for Mumia * Leonard Weinglass, Chief Legal Counsel for Mumia Abu-Jamal * Steve Wiser, The Bruderhof Communities
Contact USA:
In Philadelphia: 215-476-8812, In San Francisco: 415-695- 7745 Contact BRD:
Solidaritätsbündnis FREE MUMIA ABU-JAMAL c/o B5, Brigittenstr. 5 20359 Hamburg Tel: 040/ 431 89 463 Fax: 040/ 431 89 462 e-mail: "maj@mail.nadir.org Spendenkonto: Dr. H.-J. Schneider, Hamburger Sparkasse Kt.Nr.: 1045 7083 19 BLZ: 200 50 550 Stichwort FREE MUMIA ABU-JAMAL (Alle Spenden werden ausschließlich für Mumias Prozeßkosten verwandt) Außerdem: Bank für Gemeinwirtschaft, Filiale Bremen, BLZ: 290 1011 Konto Nr.: 100 587 7602 "Kampagne" (Geld wird für die Kosten der deutschen Kampagne verwandt)
Contact Region:
Free MUMUIA ABU MUMIA JAMAL Kommitee, c/o Libresso, Bauerngasse 14, Nürnberg
Internet:
Nach exzessiven Videoabenden steht im Moment die Auswahl der Gruppen aus den unzähligen Bewerbungsvideos an. Die Facette der Videos reicht von unverständlichen Russen in Flossen über nackte Skandinavierinnen, die singend versuchen, ihren inneren Elch zu überwinden bis hin zu wabbeligen Toastessern aus der Besenkammer. Das sieht nach einem vielversprechenden Festival aus! Man darf gespannt sein, welche der interessanten Theatergruppen und Tanzensembles aus aller Welt wir für ARENA 00 nach Erlangen einladen werden. Performances, die über den traditionellen Theaterbereich hinausgehen, die mit Medien und neuen künstlerischen Ausdrucksformen experimentieren. In gewohnter, aber doch immer wieder neu aufregender, ARENA-Manier wollen wir neben den "Klassikern" wie Markgrafentheater, Garage und Experimentiertheater auch wieder unkonventionelle Spielorte für experimentelles Theater und Performances finden und sind eifrig dabei, einen Standort für ein Zirkuszelt zu finden und die Spielgenehmigung für den Güterbahnhof zu bekommen. Ob der Leonardo DiCaprio-Verschnitt aus Moskau oder die wild tanzenden afrikanischen Zulu-Clans auch in einer Manege unterzubringen sind?
Vom 4. -9. Juli 2000 kann das jeder rausfinden, wenn es wieder heißt: "Vorhang auf! Manege frei! Man höre und staune! ARENA 00 - Jubiläum!" Um Erlangen so richtig in Festivalstimmung zu versetzten, wird es wieder buntes Straßentheater, Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Musik und die legendäre Final Night Party geben.
Alt-Arenas, die das Festival schon vor Jahren organisiert haben, erarbeiten zur Zeit die Jubiläumschronik mit Ausstellungen, Erinnerungen und Anekdoten, in denen sich so mancher ARENA-Fan vielleicht wieder finden wird.
Fest steht auf jeden Fall die Koproduktion mit der serbischen Gruppe "Where Nowhere" aus Belgrad. In einem Workshop, der in Erlangen im Februar stattfand, wurden drei Schauspieler ausgewählt, die im Mai nach Jugoslawien reisen und dort während einer vierwöchigen Probenzeit mit jugoslawischen Künstlern eine Open-Air-Performance entwickeln werden. Unter der Regie von Petar Pejakoviç wird ein Stück über das Thema innere Emigration entstehen, das dann bei ARENA seine Uraufführung erleben wird. Das gesamte Projekt wird von einem Filmteam dokumentiert werden.
Um solch ein Festival auf die Beine zu stellen, ist von Finanzierung, Public Relations, Programmgestaltung, Layout über Unterbringung der Gruppen, technische Einrichtung der Spielorte bis Catering, Musik und Seife so einiges zu tun. Kulturmanagement hardcore in der Hand von etwa 15 Studenten, die meisten der Theaterwissenschaft (was nahe liegt, aber nichts heißen soll), die das ehrenamtlich betreiben. Wenig Leute, viel Arbeit, viel Spaß.
Wer uns bei Auf- und Abbau, Abendkasse, Ausschank, Essen, Festivalzeitung, Übersetzungen etc. ein bißchen oder ein bißchen mehr unter die Arme greifen will, ist natürlich herzlich willkommen. Zu tun gibt es sowieso genug.
Kontakt: Mail: arena@dward.com oder über den SprecherInnenrat der Uni, Tel: 09131-8526695
30.11.1999: Seattle. Die Eröffnung der WTO-Konferenz geht in die Hose - der Bürgermeister der Stadt ruft den Ausnahmezustand aus und die National-Garde an. Diese mar-schiert in die Stadt ein, um eine Versammlung durchzusetzen, die die Welt geldsackgerecht aufteilen soll. Viele Menschen wehren sich - aus aktionsfähigen Basisgruppen heraus, entschlossen und vielfältig. Gegenmacht, so wird erneut klar, ist möglich!
1.6.2000:Hannover. Die EXPO soll eröffnet werden. Ob es dazu kommt, hängt von uns ab. Am 1.6. sowie in den Stunden und Tagen davor und danach wird Hannover im Mittelpunkt des Interesses der deutschen und der Weltpolitik stehen. Die Stadt wird bis an die Grenzen ausgelastet sein. Jede Bewegung der Cops und ihrer Fahrzeuge wird das Chaos noch vergrößern. Wenn wir loslegen, dann gibt es viele Ziele: Kreuzungen, Bahnhöfe, Banken, Konsumstätten, Geschäftshäuser und Symbole der EXPO-Firmen, Versorgungs- und Kommunikationsleitungen, Lüftungen und Fassadden, EXPO-Denkmäler, Hallen und Protzbauten ...
Wer jetzt ein bißchen Lust auf Widerstand hat, findet hier, in unserem kleinen Demobesteck, alles, was aufrechte Anti-EXPO-KämpferInnen so brauchen: Kontaktadressen, Termine, VAs, Infomaterial. Damit's was wird mit: London - Seattle - Hannover!!!
Schily wies in diesem Zusammenhang auf eine erhöhte Gewaltbereitschaft unter Rechtsextremisten hin. Zwar gebe es keine handlungsfähigen terroristischen Strukturen, die Polizei stelle aber immer wieder Waffen in dieser Szene sicher. Zudem beobachte der Verfassungsschutz steigende Aktivitäten in der rechtsextremen Musikszene sowie im Internet.
Der regionale Schwerpunkt der Gewaltbereitschaft liege nach wie vor in Ostdeutschland. Im vergangenen Jahr sind dort fast die Hälfte der Gewalttaten verübt worden, obwohl im Osten Deutschlands nur 21 % der Gesamtbevölkerung leben. Schily begründete dies mit der Aufeinanderfolge zweier diktatorischer Regime, was besonders schwerwiegende Wirkungen habe. Die Totalitarismustheorie, nach der die bürgerliche Mitte von zwei Extremen unabhängig von deren politischen Inhalten und Zielen bedroht sei, läßt grüßen.
Bezeichnend auch, daß Schily die Zunahme rechtsextremer Gewalttaten lediglich als Zeichen geistiger und seelischer Verwahrlosung betrachtet.
Falls Betroffene diese Arbeit ablehnen, wird die gesamte finanzielle Unterstützung nach der ersten Weigerung sechs Wochen lang, bei häufigerer Ablehnung binnen einen Jahres jeweils zwei Monate lang entzogen! Mit der Abwicklung des offiziell Integra oder Arbeitstraining (!) genannten Projektes wurde der staatliche Arbeitsmarktservice (AMS) beauftragt. Dieser soll Erwachsene nach einem Jahr und Minderjährige nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit den Gemeinden zuweisen. Nach Schätzungen dürften etwa 1000 Personen als sogenannte Programmteilnehmer in Frage kommen, die vom Trainingsorganisator als Sozial- oder Umweltpfleger ausgebildet werden sollen. Scharfer Protest kam von den oppositionellen Grünen. Sie sprachen von Zwangsarbeit und kündigten Klagen an. Der Sozialsprecher der Grünen, Karl Öllinger, widersprach der Behauptung Bartensteins, das Projekt fördere die Integration in den Arbeitsmarkt. Die europäische Menschenrechtskonvention verbiete Pflicht- und Zwangsarbeit, zudem liege die geplante Entlohnung deutlich unter den gesetzlichen Mindesttarifen. Sollte der Widerstand auf den Straßen nicht wieder aufflammen und sich darüber hinaus intensivieren, dürften diese Pläne lediglich ein Vorgeschmack dessen sein, was Haider, Schüssel & Co. noch alles im Hinterkopf haben. An Kreativität scheint es diesen Herren vorerst jedenfalls nicht zu mangeln. Wie die Tageszeitung Der Standard berichtet, existiert bereits ein neuer Vorschlag der FPÖ: alle 1,2 Millionen Schüler des Landes sollen doch bitte zu flächen-deckenden Drogentests antreten.
Im November gingen etwa 5000 Menschen auf die Straße, darunter knapp 3000 autonome Antifas. Die Autonomen schlossen sich im Vorfeld einem breiten Bündnis unter Federführung des DGB an, um politisch nicht isoliert zu werden. Zumindest in der Öffentlichkeit ging der linke Widerstand weitestgehend unter, lediglich vom DGB war die Rede. Anders bei den Aktionen am 29. Januar. Nachdem sich das Bündnis wieder konstituiert hatte, einigte man sich diesmal auf ein anderes Konzept: das Bündnis rief zu einem Sternmarsch auf. Zusätzlich zu den genehmigten DGB-Kundgebungen mobilisierte noch die Autonome Antifa (M) zu einer Kundgebung, die von der PDS angemeldet wurde. Auch diese wurde genehmigt, verboten aber wurden Aktionen der Antifa. Da sich jedoch niemand daran hielt, gingen die Spaltungsversuche der Stadt letztlich ins Leere. 1500 Demonstranten beteiligten sich an der linken Demo, die schließlich zur Polizeiwache zog. Im Zuge der Vorbereitungen für die Aktionen am 15. April wollten auch CDU und Junge Union am Anti-Nazi-Bündnis. Damit war für die Autonome Antifa (M) die Grenze vollends überschritten, so daß sie sich entschloß, zusammen mit anderen linken Gruppen eine Demonstration durchzuführen. Wiederum nahmen weit mehr als 1000 Menschen an der linken Demo teil, an der DGB-Veranstaltung waren es rund 700. Bis auf die CDU hatten sich an diesem Tag wieder alle großen Parteien, kirchlichen Organisationen sowie Schüler und Studenten beteiligt. Die Polizei hatte sich abgesehen von einigen gezielten Provokationen bei allen drei Aktionstagen weitgehend zurück-gehalten. Dafür zeigte sie wenige Tage vor dem geplanten Naziaufmarsch am 29. Januar ihre ganze Selbstherrlichkeit. Es kamen Gerüchte auf, daß die Polizei den Campus von Universitätsgebäuden beobachte. Studenten erblickten darauf tatsächlich einige Beamte und auf die Frage, was diese hier zu suchen hätten, erhielten sie die Antwort, daß sich in mehreren Unigebäuden Polizei befände, um die Urheber antifaschistischer Sprühparolen zu ermitteln. Einmal gingen die Beamten auch auf zwei mutmaßliche Plakatiererinnen vor. Sie wurden von Zivilbeamten mit gezogener Schußwaffe bedroht. Die betroffenen Frauen wurden einer ED-Behandlung unterzogen und bis auf die Unterwäsche entkleidet fotographiert. Die Polizei bestätigte jedenfalls, mindestens seit dem 14. Januar den Campus aus Unigebäuden heraus mit sieben bis zehn Beamten nachts überwacht zu haben mit dem Einverständnis der Unileitung! Der Campus sei umfassend und ohne konkreten Tatverdacht überwacht worden. Uni-Präsident Kern bestätigte, mit der Polizei zusammengearbeitet zu haben. Allerdings habe er keine Einwilligung gegeben, daß sich die Polizei auf dem Campusgelände aufhalten dürfe. Lediglich den Bereich der Norduni habe er für Hubschrauberlandungen (!) freigegeben. Kern habe natürlich nichts gewußt von antifaschistischen Aktivitäten zum geplanten Nazi-Aufmarsch, von einem Unibündnis auch nicht. Mittlerweile hat der öffentliche Druck auf Unipräsident Kern und Polizeichef Milde zugenommen. Eine Resolution gegen Polizei auf dem Campus wurde von 50 Gruppen und Organisationen unterzeichnet; zudem wird gegen beide Herren eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Interessanterweise war es der Göttinger Polizei jedoch nicht möglich, die jüngste Schändung des Jüdischen Friedhofs wahrzunehmen. Kein Wunder, liegt dieser doch nur einige Meter vom Polizeihauptquartier entfernt.
Rund 700 Menschen, darunter ehemalige Häftlinge aus vielen Ländern, Angehörige von Häftlingen und Antifaschistinnen und Antifaschisten aller Alterstufen waren zur ersten Gedenkkundgebung im 3. Jahrtausend auf den Ettersberg bei Weimar gekommen. Durchgehender Gedanke der Kundgebung war die Weitergabe des antifaschistischen Vermächtnisses der ehemaligen Häftlinge an die jüngeren Generationen.
Pierre Durand, der Präsident des internationalen Lagerkomitees sagte zu Beginn der Kundgebung, daß niemend von den Häftlingen damals geglaubt habe, daß er den Anbruch des 3. Jahrtausends erleben würde, als sie von Leichen umgeben ins Leben zurückkehrten und ein Europa wollten, "in dem nicht Geld, Profit und Diskriminierung herrschten, sondern Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Brüderlichkeit. Den NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien, die Duldung der Rechtsradikalen in Österreich und rassistische Übergriffe benannte er als Beipiele für die Notwendigkeit der Weiterführung der Arbeit der ehemaligen Häftlinge:"Wir selbst sind die Zeugen der Konzentrationslager. Jetzt unterstützen wir immer mehr die Ausbildung der Zeugen von den Zeugen, also jener, die in unserem Geist unsere Arbeit fortführen. Die Tatsache, Häftling zu sein, ist natürlich nicht vererbbar. Aber wir können unseren Willen vererben, unseren Kampf fortzusetzen..."
In diesem Sinne teilte Emil Carlebach, Buchenwald-Häftling 4186, Vizepräsident des Internationalen Buchenwaldkomitees in einem die Anwesenden bewegenden Abschiedsbrief mit, daß er aufgrund einer Alterskrankheit diese Aufgabe künftig nicht mehr wahrnehmen kann. In seinem Brief gibt er uns mit: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das war ust ist und bleibt unsere Losung. Das haben wir 21 000 vor einem halben Jahrhundert auf dem Apellplatz in Buchenwald geschworen. Denn unser Ziel ist noch nicht erreicht. Invielen Ländern toben neue Kriege, erheben faschistische Demagogen wieder ihr Haupt....Unsere Sache ist gerecht - der Sieg muß unser sein."
Orna Birnbach gehörte zu den 150 000 Menschen, die aus Lodz von den deutschen Faschisten verschleppt wurden. Sie schilderte ihren Leidensweg durch mehrere Lager und die grausamen Evakuierungstransporte, bei denen sie zu den wenigen Überlebenden zählte. Zuletzt gehörte sie zu den 26 000 Frauen, die in Buchenwald inhaftiert waren.
Kurt Goldstein, der Vizepräsident des Internationalen Auschwitzkomitees und Ehrenbürger Spaniens, setzte sich in seinem Beitrag vor allem mit einer Gruppe von Historikern und Museologen auseinender, die glauben, daß man jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Nazizeit, die Geschichte neu und dem reaktionären Zeitgeist angepaßt schreiben könnte
... Schon in den achtziger Jahren ist bekanntlich ein Versuch der
Geschichtsrevision gescheitert. Und wir werden auch diesen zum
Scheitern bringen. Er widerlegte erneut die Verleumdung der "Roten
Kapos" von Buchenwald in neueren Abhandlungen und verlas ein Schreiben
der Lagerarbeitsgemeinschft Buchenwald, das sich kritisch mit der neuen
Ausstellung zu den 50er bis 80er Jahren auseinandersetzt. Darin wird
festgestellt, "daß die Konzeption der Ausstellung, wie sie in den
kommentierenden Texten zum Tragen kommt, darauf gerichtet ist, ein
verfälschendes Geschichtsbild mit dem Ziel der Delegimitierung der
Deutschen Demokratischen Republik zu vermitteln."
Zuvor hatten am Vormittag nach einer Ansprache des Gedenkstättenleiters
Volkhard Knigge ehemalige Häftlinge und Angehörige der
verschiedenen Nationalitäten am Denkmal für die Opfer
des KZ Buchwald der Opfer gedacht.
Elke Mahlert, Nürnberg (aus UZ)