Wohnen auf Abbruch - bei der Stadt und der Uni
Die Stadt hat in den letzten Jahrzehnten Häuser »auf Abriß«
gekauft, um dort z.B. Parkplätze, Verwaltungsgebäude oder ähnliches zu
errichten. Dasselbe gilt für die Universität.
Oft haben sich die Projekte endlos
hingezogen, so daß es politisch schwer zu vermitteln war, in Zeiten der
Wohnungsnot bewohnbare Häuser »auf Vorrat« abzureißen oder
leerstehen zu lassen.
So hat man gnädigerweise »vorübergehend« erlaubt, daß
Wohnungssuchende in diesen Häusern wohnen durften. Aus Provisorien wurden
Dauerlösungen, aus jederzeit kündbaren »Nutzungsverträgen« dürften
inzwischen de facto Mietverträge mit teilweise langen Kündigungsfristen
geworden sein. Anfang der siebziger Jahre kaufte die Stadt ein riesiges
Kasernenareal zwischen Wilhelmstrasse, Drausnickstrasse und Moltkestrasse,
um dort u.a. die Berufsschule hinzubauen. Die alten Kasernen waren bis
dahin als billige Wohnungen vermietet worden. Viele dieser Bauten wurden
abgerissen, und die BewohnerInnen machten mobil. Letztlich blieben zwei
Häuser an der Moltkestraße stehen, und unter Anderem die durch die Abrisse
auf die Strasse gesetzten durften in die Häuser einziehen. Es war zwar
geplant, die irgendwann später für den Bau von Parkplätzen abzureißen,
aber eben nicht sofort. Die BewohnerInnen waren durchaus verschieden,
es gab einerseits die mehr »Politischen« und andererseits die
mehr »Austeigermäßigen«. Eine Bewohnerin der ersten Stunde
erinnert sich, daß die Moltkestraße vor Allem als Freiraum sehr wichtig
war, um »Etwas auszuprobieren«.
Bismarkstr. 4
Ähnlich verhält es sich
mit der Bismarckstraße 4. Die Uni hat die ganze Häuserzeile gegenüber
des Audimax von Wohnungen in Uni-Institute umgewandelt. Dahinter
wurden Parkplätze angelegt. Auch das letzte Haus aus der Reihe sollte
für Parkplätze der Abrißbirne zum Opfer fallen, aber es gelang der damals
noch wesentlich aktiveren Studentenszene, den Abriß zu verhindern und die
Vermietung durchzusetzen. Mit viel Liebe haben die BewohnerInnen ein Stück
»anderes Erlangen« geschaffen. Nach bald dreissig Jahren droht
immer noch der Abriß und die Vertreibung der BewohnerInnen.
Das bekannteste
Beispiel war allerdings die »Hupfla-Besetzung«. Es begann damit,
daß die frühere geschlossene »Heilund Pflegeanstalt« auf dem
Uni-Nordgelände (von den ErlangerInnen als »Hupfla« abgekürzt)
um 1977 zugemacht wurde und leerstand. Alles sollte für einen Klinikneubau
abgerissen werden, mit dem dann über 20 Jahre später tatsächlich langsam
begonnen wurde, als schon keiner mehr dran geglaubt hatte.
Die sich formierende »Alternativszene«, unter ihr Was Lefft
RedakteurInnen der ersten Stunde, sah die Gelegenheit, nach dem Vorbild des
legendären selbstverwalteten Kopenhagener Stadtteils »Christiania«
(www.christiania.org) diesen leerstehenden Stadtteil zu besetzen, um
sich dort auf der alternativen Insel einzurichten. Die Hupfla mit ihren
zahlreichen Werkstätten hätte tatsächlich Chancen für Selbstversorgung
geboten. Damals holten die Stadt-und Uni-Oberen nicht gleich die Bullen,
sondern verhandelten erst mal mit den BesetzerInnen. Die ließen sich
-wer wills ihnen vorwerfen mit einem Haus am Maxplatz 3 abspeisen,
die restlichen Gebäude wurden abgerissen, eines wird bis heute von der
Uni »vorübergehend« genutzt.
Ehemaliges Hupfla-Gebäude in der Innenstadt