Die Erlanger Baumafia

Bis Anfang der achtziger Jahre war für die Erlanger Bauwirtschaft die Welt noch in Ordnung und sauber aufgeteilt. Die nur dem Namen nach »Kommunale Wohnungsbau Gesellschaft« des SPD-Fraktionsvorsitzenden Heinlein, die CSU nahe »Bayern Immobilien Treuhand« und die Vorrath Gruppe, die später über CSU Stadträtin Marianne Vorrath ebenfalls im Stadtrat vertreten waren, hatten selten Probleme mit Baugenehmigungen oder anderen Dingen, für die ein Bauunternehmer die Stadt halt so braucht. Ende 1980 zogen Hausbesetzer in ein leerstehenden Haus im Eigentum der »KWG« ein. KWG-und SPD Fraktionschef Heinlein sah sich als Wohnraumvernichter angeprangert. Dadurch ermutigt, legten Insider (vermutlich aus der SPD) nach und informierten lokale Presseorgane, daß Heinlein einen Angestellten im Stadtplanungsamt »unter Vertrag« habe. So eine Quelle ist natürlich praktisch, wenn man als Bauunternehmer die Äcker aufkaufen möchte, die ein Jahr später von der Stadt als Bauland ausgewiesen werden. Diesen Verdacht fand die SPD untragbar und stellte Heinlein vor die Wahl, den Fraktionsvorsitz oder seine Firma an den Nagel zu hängen. Heinlein entschied sich für seine Firma. Seine »KWG«, die sich stark in der Altbau-Umwandlungs-Spekulation engagiert hatte, ist inzwischen pleite. 10 Jahre später, auf dem Höhepunkt der studentischen Wohnungsnot, veröffentlichte Markus Beugel, Bruder des heutigen Wirtschaftsreferenten und damals Jungstadtrat der CSU, ein Papier zur Wohnungspolitik. Beugel wollte zeigen, daß die Stadt privaten Mietwohnungsbau anregen könne, ohne daß es zwangsläufig zu Wuchermieten komme. Interessant an seinem Papier ist die Kritik an den bestehenden Filz-Strukturen in Erlangen. 1981 wurden auf dem Gebiet der ehemaligen Erba Fabrik südlich der Stadtwerke Wohnungen errichtet. Beugel kritisiert, daß die Grundstücke zwischen den Erlanger Bauträgern aufgeteilt wurden. Er rechnete vor, daß nach Abzug der Bauund Grundstückkosten und einer »angemessenen Verzinsung« die Wohnungen 1000 DM pro Quadratmeter überteuert verkauft wurden. Das macht z.B. bei einer 50 Quadratmeter Wohnung schnell und ohne Gegenleistung verdiente 50.000 DM aus. Oder bei 5% Hypothekenzins 4DM pro Quadratmeter mehr Miete. Und tatsächlich gilt das neue Erba-Viertel bei MieterInnenn als teures Pflaster, denn die MieterInnen müssen für diese Selbstbedienung, fast möchte man sagen Baumafia, teuer bezahlen. Auch im Büchenbacher Neubaugebiet »gab man einen Großteil der Grundstücke an Erlanger Bauträger weiter und duldete es, daß ohne von den Möglichkeiten des Städtebauförderungsgesetzes Gebrauch zu machen, es zu spekulativen Aufkäufen kam« schreibt Beugel. Beugel kritisierte, daß nicht durch »mehr Wettbewerb« und eine Begrenzung der Miete im Grundstückskaufvertrag die Mieten gedrückt wurden. Beugels Konzept eines zweiten sozialen Wohnungsmarktes wurde sogar ein paarmal umgesetzt. Die Mieten waren trotzdem höher als im sozialen Wohnungsbau. Beugels Entlarvung der Erlanger Baumafia blieb dagegen folgenlos. Und heute? Mangels weiterer Insiderenthüllungen ist schwer abzugrenzen, wo die normale Anbiederung an das Kapital (sog. Wirtschaftsförderung) aufhört, und wo der Filz anfängt. Wie ist es zum Beispiel zu bewerten, daß der Erlanger OBI (dessen Manager Herrmann Gumbmann ist CSU-Stadtrat) entgegen den ursprünglichen Plänen im ehemaligen Ami-Gelände einen neuen Baumarkt hinstellen durfte? Eine Frage, die keine Antwort findet ... .