Geschichten vom Erlanger MieterInnenverein
Wir sprachen mit Gudrun Bußmann, der
Vorsitzenden des Erlanger Mieterinnenund Mietervereins über die Erfahrungen
mit der Stadt Erlangen als Vermieterin. Die Stadt tritt auf zwei Arten als
Vermieterin auf: Durch Vermietung von Häusern in städtischem Besitz durch das
Liegenschaftsamt und durch die ehemals gemeinnützige GeWoBau (Gemeinnützige
Wohnungsbaugesellschaft m.b.H).
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft
Die
GeWoBau ist im Mehrheitseigentum der Stadt und besitzt in Erlangen die meisten
Sozialwohnungen. Die GeWoBau versucht seit dem Wegfall der Gemeinnützigkeit
einerseits Gewinne zu machen, andererseits möchten etliche Mitarbeiter
-so Gudruns Interpretation von der MieterIn weiter als Teil der Obrigkeit
respektiert werden und hat Probleme zu akzeptieren, daß Mieter auch Rechte
haben. Entsprechend oft kommt es zu Ärger. Der Mieterinnen-und Mieterverein
muß immer wieder gegen die GeWoBau prozessieren. Ein aktuelles Ärgernis
sind Mobilfunkantennen auf GeWoBau-Wohnhäusern, die errichtet wurden,
ohne die MieterInnen zu fragen. Auf Beschwerden wegen gesundheitlicher
Probleme reagiert die GeWoBau nicht. Die GeWoBau versuchte nach dem Wegfall
der Gemeinnützigkeit unzulässige Mieterhöhungen durchzusetzen, obwohl sie
deswegen schon zahlreiche Prozesse gegen den MieterInnenverein verloren hat.
Inzwischen wird man -vielleicht wegen der teuren Anwaltsrechnungen -doch ein
bißchen vorsichtiger. In der ehemaligen »Housing Area« an der
Hartmannstraße versucht die GeWoBau die Mieten auf das Niveau der teuersten
Wohnungen zu erhöhen. Als die Gaszähler ausgewechselt wurden, versuchte die
GeWoBau unzulässigerweise, die Kosten auf die Mieter aufzuschlagen. Generell
erhöht die GeWoBau die Mieten in den nicht mehr preisgebundenen Wohnungen
bis voll an den Marktpreis, es gibt hier keine soziale Komponente mehr.
Eine der größten GeWoBau-Siedlungen im Stadtteil Anger wurde saniert. Das
lief -vor Allem am Anfang - nicht immer so richtig mieterInnenfreundlich ab.
Typisch GeWoBau ist, daß, wohl um »Ordnung zu schaffen« die bei
älteren MieterInnen sehr beliebten Mietergärten erst im Zuge der Sanierung
plattgemacht wurden, um dann ihre Wiedereinrichtung in Salamitaktik möglichst
zu erschweren. Der tiefere Sinn einer Altbausanierung im Kapitalismus besteht
darin, innerhalb kürzester Zeit die Mieten horrend nach oben zu drücken,
und dabei die sonst geltenden Schranken für Mieterhöhungen zu umgehen. Das
hat die GeWoBau bei den sanierten Wohnungen auch gemacht. Es wurden dafür
zwar auch sinnvolle Sachen gemacht, z.B. Balkone angebracht. Andererseits
wurden sinnvolle Sanierungsmaßnahmen, die auch den Mietern Geld mehr gespart
hätten, nicht konsequent angepackt. Unsinnigerweise wurde bei der Dikke
der Dämmung gespart, obwohl die dikkere Dämmung finanziell gar nicht so ins
Gewicht gefallen wäre: Die Kosten für Gerüst aufstellen etc. fallen nämlich
immer an. MieterInnen, die vorher auf eigene Kosten Gasetagenheizungen
installieren ließen, waren die Dummen, denn die wurden rausgerissen für
Gaszentralheizungen. Wertersatz für die eingebauten Öfen gab es nur,
wenn Leute sich aufgemotzt haben -im Gegenteil, es wurde sogar verlangt,
daß die Leute die alten Öfen auf ihre Kosten entsorgen. Generell wurden
Eigenleistungen der MieterInnen, die durch die Sanierung kaputtgingen, nur
ersetzt, wenn die MieterInnen das mit Nachdruck einforderten. Es wurde
auch viel Eigenleistung verlangt: Viele Mieter mussten zeitweise in
Ersatzwohnungen umziehen. Die GeWoBau bezahlte zwar das Umzugsunternehmen,
aber die MieterInnen sollten alles selbst in Kisten verpacken. Wer gemotzt
hat, bekam diese Arbeit abgenommen. Sehr geschickt hat sich die GeWoBau darum
gedrückt, einen Teil der Wohnungen als Zukunftsvorsorge behindertengerecht
auszubauen, obwohl mit der Überalterung der Bevölkerung zwangsläufig die Zahl
der körperlich Eingeschränkten zunehmen wird. Ganz demokratisch wurden die
MieterInnen in dem betroffenen Häuserblock gefragt, ob sie diesen Ausbau
durch einen Zuschlag auf ihre eigene Miete finanzieren wollten. Die nicht
auf den behindertengerechten Ausbau angewiesenen MieterInnen haben das
-welche Überraschung -abgelehnt. Schlicht dreist versuchte die GeWoBau im
Zuge der Sanierung auch, Leuten bei Umzug neue Mietverträge unterschreiben
zu lassen. Der Mieterinnen-und Mieterverein warnte davor, solche Verträge
ungeprüft zu unterschreiben. Eine Infoveranstaltung des MieterInnenvereins
in der Gaststätte des Verkehrspersonals wurde von über 200 Leuten besucht,
was das Ausmaß der Verunsicherung zeigte. Weil das Sanierungsbüro viele
Beschwerden im Einzelfall akzeptierte, aber die anderen MieterInnen nicht
darüber aufklärte, informierte stattdessen der MieterInnenverein auf dieser
Veranstaltung allgemein über die Rechte der Mieter, und wo die GeWoBau diese
nicht so richtig kannte. Daraufhin schrieb die Anwältin der GeWoBau drohend an
den MieterInnenverein, hier
werde »illegale Rechtsberatung durchgeführt«. Davon ließ
sich der Verein nicht beeindrucken, und hat auch später noch Mieter über
ihre Rechte informiert. Der Vorwurf ist rechtlich auch nicht haltbar.
Städtische Altbauten
Die Stadt verkauft ihre gesamten Altbauten, auch die,
die nicht auf Abbruch stehen. Damit nimmt die Stadt in Kauf, daß die
BewohnerInnen auf die Straße gesetzt werden. Außerdem nimmt die Stadt
sich die Möglichkeit, als Eigentümerin auf den Wohnungsmarkt einzuwirken.
Unter den verkauften Gebäuden waren einige Villen, die für große Familien,
Kindereinrichtungen etc. durchaus brauchbar gewesen wären, und ein Haus
in der Glockenstraße, in dem zwei alleinerziehende Mütter wohnen. Dieses
Haus wurde der Stadt von Fellhöfer-Weigel für soziale Zwecke gestiftet.
Obwohl es zu einem Stiftungsvermögen gehört, hat die Stadt das Haus verkauft,
und war nicht bereit, vor einem Verkauf gegenüber den MieterInnen und Mietern
auf das Recht der Kündigung wegen Eigenbedarfs oder aus wirtschaftlichen
Gründen zu verzichten. Dadurch wären die BewohnerInnen auch bei einem
Verkauf geschützt gewesen. Entsprechende Anträge im Stadtrat scheiterten
an CSU, FDP und FWG. Ganz aktuell sind Verkaufspläne für ein Gebäude
in der Schillerstraße, in dem bisher eine Lernstube war, weil dieses
Gebäude angeblich von sozialen Gruppierungen nicht mehr gebraucht wird.
Darauf in der nächsten Sitzung von GL Stadträtin Gudrun (ebendieselbe)
angesprochen, lehnte Balleis es ab, im bisherigen Umfang an sozialen
Gruppierungen zu vermieten, denn die seien »nicht gerade die besten
Mietzahler«. Das war dann wohl die zweite Strophe des hohen Liedes
aufs Ehrenamt, welches Siggy Balleis so gerne anstimmt, denn diese
»ehrenamtliche«, d.h. unbezahlte Arbeit wird genau in den
sozialen Gruppierungen geleistet. Wenn die schon in ihrer Freizeit die
Welt verbessern wollen, dann sollen sie auch dafür zahlen. .