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Deutscher Schach Bund e.V.

FIDE - Schachregeln

Deutsche Übersetzung Stand 1. Juli 1997


SPIELREGELN

Vorwort
Die Schachregeln können weder Situationen erfassen, die sich im Laufe einer Partie
ergeben können, noch können sie alle administrativen Fragen regeln. In Fällen, die
nicht durch einen Artikel der Schachregeln geklärt sind, sollte es möglich sein,
durch das Studium analoger Situationen, die von den Schachregeln erfaßt werden, zu
einer korrekten Entscheidung zu gelangen. Die Schachregeln setzen voraus, daß
Schiedsrichter das notwendige Sachverständnis, ein gesundes Urteilsvermögen und
absolute Objektivität besitzen. Eine allzu detaillierte Regelung könnte dem
Schiedsrichter seine Entscheidungsfreiheit nehmen und könnte ihm somit daran hin-
dern, eine sportliche, logische und den speziellen Gegebenheiten angemessene Lö-
sung zu finden.
Die FIDE appelliert an alle Schachspieler und Förderationen, sich dieser Auffas-
sung anzuschließen.
Eine angeschlossene Förderation hat das Recht, detaillierte Schachregeln einzufüh-
ren, vorausgesetzt, daß diese

a) in keiner Weise mit den offiziellen Schachregeln der FIDE in Konflikt treten,
b) nur im Gebiet der betreffenden Förderation Anwendung finden,
c) weder für Wettkämpfe, Meisterschaften oder Qualifikationsturniere der FIDE noch
   für Titel- oder Wertungsturniere der FIDE gelten.
Artikel  1: Wesen und Ziele des Schachspiels
 1.1  Das Schachspiel wird zwischen zwei Gegnern gespielt, die abwechselnd
      Figuren auf einem quadratischen Spielbrett, "Schachbrett" genannt, ziehen.
      Der Spieler mit den weißen Figuren beginnt die Partie. Ein Spieler "ist am
      Zug", sobald der Zug seines Gegners beendet ist.

 1.2  Das Ziel jeden Spielers ist es, den gegnerischen König so "anzugreifen",
      daß der Gegner keinen regelgemäßen Zug zur Verfügung hat, der ein "Schlagen"
      des Königs im folgenden Zug vermeiden würde. Der Spieler, der dies erreicht,
      hat den Gegner "mattgesetzt" und das Spiel gewonnen. Der Gegner, der matt-
      gesetzt worden ist, hat das Spiel verloren.

 1.3  Ist eine Stellung erreicht, in der keinem der beiden Spieler das Mattsetzen
      mehr möglich ist, ist das Spiel "remis" (unentschieden).
Artikel  2: Die Anfangsstellung der Figuren auf dem Brett
 2.1  Das Schachbrett besteht aus einem 8 x 8 Gitter von 64 gleich großen Quadra-
      ten, die abwechselnd hell und dunkel sind (die "weißen" und die "schwarzen
      Felder"). Das Schachbrett wird so zwischen die beiden Spieler gelegt, daß auf
      der Seite vor einem Spieler das rechte Eckfeld weiß ist (siehe Artikel 7.1).
Artikel  3: Die Gangart der Figuren
 3.5  a) Der König hat zwei verschiedene Gangarten:
         I)  er zieht auf ein beliebiges angrenzendes Feld, das nicht von einer
             oder mehreren gegnerischen Figuren angegriffen wird, oder

         II) er "rochiert". Die "Rochade" ist ein Zug des Königs und eines der
             gleichfarbigen Türme auf der gleichen Reihe. Sie gilt als einziger 
             Zug und wird folgendermaßen ausgeführt: Der König wird von seinem 
             Ursprungsfeld um zwei Felder in Richtung des Turmes hin versetzt,
             dann wird dieser Turm über den König hinweg auf das Feld gesetzt,
             das der König soeben überquert hat.
               
             1) Die Rochade ist regelwidrig:
                a) wenn der König bereits gezogen hat, oder
                b) mit einem Turm, der bereits gezogen hat.
             2) Die Rochade ist momentan verhindert:
                a) wenn das Standfeld des Königs oder das Feld, das er überqueren
                   muß oder sein Zielfeld von einer oder mehreren gegnerischen
                   Figuren angegriffen wird,
                b) wenn sich zwischen dem König und dem Turm, mit dem rochiert
                   werden soll, irgendeine Figur befindet.

      b) Ein König "steht im Schach", wenn er von einer oder mehreren gegnerischen
         Figuren angegriffen wird, sogar wenn diese selbst nicht ziehen können.
         Das Ansagen eines Schachgebotes ist nicht obligatorisch.
         Ein Spieler darf keinen Zug machen, der seinen König ins Schach führt 
         oder im Schach stehen läßt.
Artikel  4: Die Ausführung der Züge
 4.1  Jeder Zug muß mit einer Hand allein ausgeführt werden.
 4.2  Vorausgesetzt, daß er seine Absicht im voraus bekannt gibt (z.B. durch die
      Ankündigung "j'adoube"), darf der Spieler, der am Zug ist, eine oder mehrere
      Figuren auf ihren Feldern zurechtrücken.

 4.3  Berührt der Spieler, der am Zug ist, den Fall von Artikel 4.2 ausgenommen,
      absichtlich auf dem Brett
      a) eine oder mehrere Figuren derselben Farbe, muß er die zuerst berührte
         Figur ziehen oder schlagen, die gezogen oder geschlagen werden kann, oder
      b) je eine Figur beider Farben, muß er die gegnerische Figur mit seiner Figur
         schlagen oder, falls dies regelwidrig ist, die erste berührte Figur, die
         gezogen oder geschlagen werden kann, ziehen oder schlagen. Fehlen Beweis-
         mittel, so gilt, daß die eigene Figur vor der gegnerischen berührt worden
         ist.

 4.4  a) Wenn ein Spieler absichtlich einen Turm und danach seinen König berührt,
         darf er mit diesem Turm in diesem Zug nicht rochieren, und der Fall wird
         durch Artikel 4.3 geregelt.
      b) Wenn ein Spieler, in der Absicht zu rochieren, seinen König oder König und
         Turm zugleich berührt, die Rochade aber auf dieser Seite regelwidrig ist,
         muß der Spieler entweder auf der anderen Seite rochieren, vorausgesetzt,
         daß die Rochade auf jener Seite zulässig ist, oder seinen König ziehen.
         Falls der König keinen regelgemäßen Zug zur Verfügung hat, darf der Spie-
         ler einen beliebigen regelgemäßen Zug ausführen.

 4.5  Falls keine der berührten Figuren gezogen oder geschlagen werden kann, darf
      der Spieler einen beliebigen regelgemäßen Zug ausführen.
 4.6  Wenn der Gegner gegen Artikel 4.3 oder 4.4 verstößt, kann der Spieler dies
      nicht mehr beanstanden, nachdem er selbst absichtlich eine Figur berührt hat.
 4.7  Wenn in einem regelgemäßen Zug oder als Teil eines regelgemäßen Zuges eine
      Figur auf einem Feld losgelassen worden ist, kann sie nicht mehr auf ein
      anderes Feld gezogen werden. Der Zug gilt als auf dem Brett ausgeführt, wenn
      alle anwendbaren Anforderungen von Artikel 3 erfüllt worden sind
Artikel  5: Die beendete Partie
 5.1  a) Die Partie ist von dem Spieler gewonnen, der den gegnerischen König mit
         einem regelgemäßen Zug matt gesetzt hat. Damit ist die Partie sofort ent-
         schieden.
      b) Die Partie ist durch den Spieler gewonnen, dessen Gegner erklärt, daß er
         aufgibt. Damit ist die Partie sofort beendet.

 5.2  Die Partie ist "remis" (unentschieden), wenn der am Zug befindliche Spieler
      keinen regelgemäßen Zug zur Verfügung hat und sein König nicht im Schach
      steht. Man sagt dann, "der Spieler wurde patt gesetzt". Damit ist die Partie
      sofort beendet.
 5.3  Die Partie ist remis durch eine von beiden Spielern während der Partie ge-
      troffene Übereinkunft. Damit ist die Partie sofort beendet.
 5.4  Die Partie darf remis gegeben werden, falls die identische Stellung zum
      dritten Mal auf dem Brett entstanden ist (siehe Artikel 9.2).
 5.5  Die Partie darf remis gegeben werden, falls die letzten 50 aufeinander-
      folgenden Züge von jedem Spieler gemacht worden sind, ohne daß irgendein
      Bauer gezogen oder irgendeine Figur geschlagen worden wäre (siehe Artikel
      9.3).

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