Teil A: Free-Net und Internet

2. Free-Nets - Community Networks
2.1 Die Idee
2.2 Geschichte der Free-Nets

2. Free-Nets - Community Networks

Community Networks, Virtual Community oder auch Community Computing sind die Schlagworte mit denen man konfrontiert wird, wenn man anfängt, sich mit dem Thema Free-Net zu beschäftigen. Dahinter steckt, daß der Zugang zu Informationen und Wissen, das in einer Gesellschaft vorhanden ist, jedem Menschen ermöglicht werden soll. Dies ist aber nur ein Aspekt und, wenn auch manchmal anders dargestellt, bei weitem nicht der wichtigste. Wichtiger noch ist, eine elektronische Plattform anzubieten, die jeder Bürger und jede Bürgerin mitgestalten kann, also aktiv an dem Aufbau und der Struktur seiner oder ihrer virtuellen Gemeinde mitwirken kann.

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2.1 Die Idee

Das bisher erfolgreichste Konzept, das versucht diesem Anspruch gerecht zu werden, ist das Free-Net Konzept auf der Grundlage regionaler Vernetzung. Was heißt aber nun "regionale Vernetzung"? Das bedeutet, daß zumindest ein Computer, auch Server genannt, gleichzeitig für viele Nutzer in einer Gegend zugänglich ist. Jeder innerhalb dieser virtuellen Gemeinde mit Zugang zu Rechner und Modem kann sich 24 Stunden täglich in dieses Netz einwählen und das zum Citytarif. Dies alleine bringt einen aber nur bis zu den virtuellen Stadtgrenzen und deshalb sind diese einzelnen regionalen Netze dann wiederum miteinander über nationale sowie internationalen Netzwerke verbunden und somit auch Teil des Internet.

Die Nutzer, oder auch "user" genannt, wählen sich bei einem Rechner ein und finden dort eine Oberfläche vor, die es ihnen gestattet elektronische Post zu verschicken, an Diskussionen teilzunehmen, sich weltweit die verschiedensten Informationen zu holen, bei der örtlichen Bibliothek Literaturrecherchen zu veranstalten oder eben auch online neue Leute kennenzulernen.

Einer der wichtigsten Grundsätze der Free-Nets ist weiterhin, daß jeder Bürger, jede Institution oder auch jeder Verein nicht nur Informationen abrufen, sondern auch anbieten kann. Eine Einschränkung gibt es aber doch, die angebotenen Informationen dürfen keiner kommerziellen Zielsetzung dienen. Damit wird erreicht, daß man tatsächlich eine virtuelle Gemeinde schafft und nicht nur eine "Auffahrt auf die Datenautobahn" bzw. gelbe Seiten bietet.

Wie so manch anderer, der sich mit dem Phänomen Free-Net beschäftigt, finde auch ich, daß Free-Nets, aufgrund der Schnelligkeit des Mediums und des ungehinderten Zugangs, die Demokratie stärken könnten. Aber auch, daß sie ein Weg sind, um die Bildung erhöhen und den Zugang zu öffentlich finanzierter Information und Forschung erleichtern. Meines Erachtens das Wichtigste dabei ist aber, sie können ein Weg sein, die Isolation und Vereinsamung, die viele Menschen heute betrifft, zu mindern. Und schließlich, und damit sollte man nun wirklich nicht hinterím Berg halten, Free-Nets und die Leute, die man dort trifft, das alles macht auch einen Heidenspaß.

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2.2 Geschichte der Free-Nets

Aber wie fing das eigentlich an? Gehen wir noch einmal in die USA, und zwar nach Cleveland, Ohio. Die dort ansässige Univeristät ist die Case Western Reserve University, mit einem erheblichen Schwerpunkt auf Medizin. 1984 wurde dort ein Mann names Tom Grundner eingestellt, der folgendes Problem lösen sollte. Die Angestellten und Studenten waren über die ganze Stadt Cleveland und ihre Außenbezirke verteilt und deshalb die Kommunikation zwischen den Leuten ein echtes Problem.

Tom Grundner's Lösung war einfach, aber sehr wirkungsvoll. Er eröffnete ein Bulletin Board System, also eine Mailbox, in der es neben e-mail auch die Möglichkeit des File Transfers gab sowie einen Bereich, an dem allgemeine Informationen abgelegt werden und von allen gelesen werden konnten. Soweit so gut. Was aber dann passierte ist so typisch und doch so einzigartig, daß damit eine Entwicklung in Gang gesetzt wurde, die bis heute, das ist zumindest meine Meinung, ihresgleichen sucht.

Warum? Was ist das typische und was das einzigartige? Das typische ist, daß sich das Wissen um die Einrichtung dieses System natürlich nicht auf die Uni beschränkte und als Folge davon sich auch mailboxkundige Menschen aus der Bevölkerung auf einmal in dieser BBS tummelten. Die übliche Verfahrensweise wäre gewesen, diesen unauthorisierten Zugriff zu stoppen. Womit wir bei dem Punkt der Einzigartigkeit wären. Die Case Western und Tom Grundner reagierten darauf nämlich ganz anders. Sie erkannten die Notwendigkeit und das Bedürfnis der Leute nach mehr Information und damit war der Weg frei für eine Erweiterung und Weiterentwicklung dieser Mailbox. Es enstand ein System, das sich "St. Siliconís Hospital and Information Dispensary" nannte. Und der wichtigste Punkt dieser neuen, und für die Leute von außen zugänglichen, BBS war ein Bereich, in dem Fragen an Mediziner abgelegt und die Antworten später wieder abgeholt werden konnten.

Als dann auch noch AT&T auf dieses Projekt, vom Volksmund "Doc in the Box" getauft, aufmerksam wurde, war der Grundstein für das erste Free-Net der Welt gelegt. AT&T stellte Tom Grundner einen UNIX-Computer zur Verfügung für eine erneute Erweiterung und 1989 war es dann soweit. Das Cleveland Free-Net wurde eröffnet und es ist bis heute ein voller Erfolg. Mit über 700 freiwilligen Betreuern und Informationsanbietern gilt es immer noch als das Flagschiff aller Free-Nets.

Um die weitere Entwicklung kurz zu halten sei hier nur angemerkt, daß es mittlerweile weltweit über 50 Free-Nets gibt, wobei die meisten in den USA und Canada angesiedelt sind. Das erste (und einzige) Free-Net in Deutschland wurde am 29. November 1993 in Erlangen eröffnet und hört auf den Namen Free-Net Erlangen-Nürnberg-Fürth, kurz FEN.

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Das FEN Survival Kit
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