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Anny Duperey - Dame in Rot
Die bezaubernde Anny Duperey (»Ani Dyperε:«, eigentlich Annie Legras; nach dem Großvater Duperray) zeichnet ein offener Blick, eine lebhafte Stupsnase, eine große elegante Figur und ein Hauch der Kühle aus, den sie mit spöttisch-frechem Humor zu dämpfen weiß. Obwohl die schöne »große Brünette« mit den auffallend blauen Augen wirklich schauspielerisches Talent hat, beschränken sie die Rollen, im Kino wie im Fernsehen, und ermöglichen ihr nicht immer alle Register ihres Könnens zu zeigen. Man muss sie einmal auf der Bühne erleben.
Ihr markantes Gesicht, die stattliche Körpergröße von 1,74 m, die Modell-Figur (60 kg) und nicht zuletzt ihre Ausstrahlung und ihre Schönheit prädestinieren sie für Rollen als Vorzeigegeliebte in vielen Filmen - oder als Fürstin des öfteren im Theater.
Obwohl sie in ihren Büchern aufgrund ihrer Familiengeschichte
durchaus sehr empfindsam und nachdenklich wirkt, schlägt dennoch
oft ihre Lebenslust durch. Und ihrer Natürlichkeit, ihrer
entwaffnenden Offenheit und ihrem Charme kann man sich nur schwer
entziehen. Die auf den ersten Blick geheimnisvolle, oder gar
gefährliche Schöne, ist eher ein natürlicher Kumpeltyp.
So antwortete sie auf die Frage, ob sie ein Faible für
auffallenden Nagellack habe, dass sich so ihre von der Gartenarbeit
verschmutzten Fingernägel einfach verbergen ließen.
In der Presse hat man ihr unter anderem folgende Komplimente
gemacht: Anny Duperey verfügt über eine charmante Intelligenz
und einen intelligenten Charme. Oder: Alles liegt in
ihrem Blick. Zwei leuchtende Augen bedeckt von gesenkten
Augenliedern voller unerklärlicher Traurigkeit. Ihr Blick
durchdringt einen. (Frédérique Jourdaa).
Gut 15 Jahre war Anny Duperey mit dem ebenfalls sehr bekannten Schauspieler Bernard Giraudeau liiert und hat zwei Kinder, Gaël (* '82) und Sara (* '85), mit ihm. Bis 2004 lebte sie 13 Jahre mit Cris Campion zusammen. Ebenfalls Schauspieler. 2006 setzt Sara Giraudeau die Familientradition fort und startet ihre eigene Karriere am Theater.
Anny Duperey wohnt in Paris, Montparnasse (14. Arrondissement)
und besitzt ein Landhaus in Châtelus-Malvaleix an der Creuse
(Limousin).
Autogrammadresse und Info: CINEART (www.cineart.fr),
36, rue de Ponthieu, 75008 PARIS, Frankreich.
Aktuelle Filmografie z.B. bei Internet Movie Database (IMDb); suchen Sie nach
duperey.
Die auffallend schöne Anny Duperey wird am 28. Juni 1947 als erstes Kind von Ginette und Lucien Legras in Rouen geboren. Mit achteinhalb Jahre verlieren Anny und ihre um acht Jahre jüngere Schwester Patricia die Eltern, die durch einen falsch angeschlossenen Badeofen den Erstickungstod finden. Um Minuten zu spät entdeckt Anny, die nebenan schläft, die Leichen. Die beiden Waisenkinder werden in den Familien ihrer Eltern verteilt und leben sich auseinander.
Anny Duperey wird schon früh vom Tanz und noch mehr vom Theater angezogen. Mit Sondergenehmigung darf sie zwei Jahre früher als üblich vom Gymnasium Camille St Saens an die Akademie der schönen Künste ihrer Heimatstadt wechseln. Nach zweijährigem Studium gewinnt sie einen Ersten Preis für Schauspielkunst und verlässt mit siebzehn Jahren Rouen in Richtung Paris, mit der festen Absicht das Konservatorium in der Hauptstadt zu besuchen.

Funkelnde und glänzende Anny Duperey
Anny Duperey belegt zuerst Kurse für Dramatische Kunst bei René Simon, während sie parallel als Fotomodell für Mode und Zeitschriften ihr Geld verdient. Später tritt sie endgültig ins Konservatorium ein. Schon im ersten Jahr fällt sie Jean Meyer auf, der sie im Théâtre Michel für Die drei Hochzeiten der Melanie verpflichtet. Danach spielt Anny Duperey in Mamma an der Seite von Elvire Popesco. Zu der gleichen Zeit - so heißt es - entdeckt Jean-Luc Godard ihr Gesicht auf einem Magazin und will sie unbedingt für eine größere Rolle in seinem Nouvelle Vague Film 2 oder 3 Dinge die ich von ihr weiß. So kommt sie 1966 zu ihrem Filmdebüt.
In der unmittelbaren Folgezeit spielt sie mehr oder weniger
große Rollen in Filmen der unterschiedlichsten namhaften
Regisseuren wie z.B. Francis Rigaud Jerk à Istambul
(1967), Michel Boisrond Der goldene Schlüssel (1968),
Andre Hunebelle Gejagt wie Monte-Christo (auch Der
Rächer aus dem Sarg) (1968), Roger Vadim Außergewöhnliche
Geschichten / Metzengerstein (1968), Jean Aurel Oh, diese
Frauen (1969), Pierre Richard Alfred die Knallerbse
(1971), Jean Delannoy Nur eine Frage der Zeit (1972),
Jean-Claude Brialy L' Oiseau rare (1973) und George
Lautner Wo bitte geht's zum Friedhof (1974).
Wenigstens Alain Resnais erlaubt ihr am Anfang ihrer Karriere in
Stavisky (1974) diesen zum großen Teil leichten Komödien
»à la française« und Räuberpistolen zu entkommen.
Filmgeschichte schreibt sie jedoch in Yves Roberts Ein Elefant
irrt sich gewaltig (1976), wo sie als Traumfrau in Rot
ausgelassen über einem Lüftungsschacht tanzt, wie einst Marilyn
Monroe in der Das verflixte siebte Jahr Szene im
fliegenden Kleid. Prompt wird sie für den César nominiert.
Sehenswert ist sie auch als alleinerziehende Mutter in Michael
Schocks Familienfilm Trocadero (bleu citron) (1978).
Filmenthusiasten wird ihre Rolle in Claude Mulots Die
geschändete Rose (1969) [auch Das blutige Schloss der
lebenden Leichen] ein Begriff sein - angeblich dem ersten
Horrorfilm mit Erotikeinlage, oder umgekehrt. [(In der Ecke kenne
ich mich nicht so aus, will ich auch gar nicht ;-) Sie ist übrigens
- kaum zu glauben - für das Gruseln zuständig.]

Anny Duperey, Fernsehentdeckung 1971
In den 80ern tritt sie als Star oder Gaststar auf, z.B. in Philippe de Brocas Psy (1980), Alexandre Arcadys Der Superboss (1982) und in Henri Verneuils Tausend Milliarden Dollar (1982). Die Bandbreite ihres Könnens ermöglicht ihr die Hauptrolle in Marc Lobets Krimikomödie Meurtres a domicile (1982) unter Beweis zu stellen. Ihre wohl beeindruckendste Hauptrolle dürfte sie in Francis Lerois Suspense-Thriller Der Dämon der Insel (1983) spielen. Auf dem Filmfestival von Avoriaz wird sie dafür als beste Schauspielerin ausgezeichnet.
Auch in einigen europäischen und internationalen Film- und
Fernsehproduktionen ist sie zu sehen, z.B. an der Seite von Al
Pacino und Marthe Keller in Sydney Pollacks US-Spielfilm Bobby
Deerfield (1978). (Zitat des Regisseurs »Die wunderbare,
wunderschöne französische Schauspielerin«.) Sogar in zwei
deutschen Spielfilmen, Umarmungen und andere Sachen mit
Sydne Rome und Jean-Pierre Leaud (1975) und Car Napping -
bestellt, geklaut, geliefert (1979), tritt sie auf.
Allerdings, so bedauert sie, sei sie zu lange auf die Rolle
»der großen, kühlen und selbstbewussten Frau«
festgelegt worden.
Nach Zwei irre Spaßvögel (1983) von Francis Veber und
La Triche (1984) [international: The Cheat] von
Yannick Bellon hat sie ihre nächsten Filmauftritte erst wieder in
Germinal (1993) von Claude Berri und Tôt ou tard
(1999) [international: Sooner or later] von Anne-Marie
Etienne. 2007 kommt sie in Valerié Guigabodets Danse avec
lui [international: Dance with him] wieder ins Kino
zurück und ist 2009 in Auf der anderen Seite des Bettes
[international: Changing Sides] von Pascale Pouzadoux, in
Eden Is West von Constantin Costa-Gavras sowie in
Bambou von Didier Bourdon zu sehen.

Anny Duperey (en VOGUE ;-)
Es bleibt jedoch ihre Schwäche für das Theater, wahrscheinlich
weil sie dort alle Register ihres Könnens ziehen kann.
Beispielsweise besonders als Sängerin und Tänzerin im Musical
Attention fragile (1978), das sie erfolgreich an der Seite
ihres damaligen Lebensgefährten Bernard Giraudeau zeigt.
Schon mit 23 Jahren besinnt sie sich auf ihre Wurzeln und kehrt
zum Konservatorium und Theater zurück. Sie wollte sich nicht bloß
als schauspielerndes Fotomodell und Titelblattschönheit sehen. Sie
feiert in den 70er und 80er Jahren speziell unter der Regie von
Jean Mercure und ihres Mentors Jean-Louis Barrault (»Anny
Duperey ist meine Tochter auf der Bühne«) große
Bühnenerfolge auch am Französischen Staatstheater. Sie spielt z.B.
in Isabelle, drei Caravellen, ein Scharlatan von Dario Fo,
in Liebe zur Liebe und in Shakespeares Was ihr
wollt. Über fast eine Dekade verkörpert sie die Helena in
Giraudoux' Der Trojanische Krieg findet nicht statt und
erregt selbst bei einer Tournee durch die USA, Kanada und die UdSSR
damit Aufmerksamkeit.
Sie ist bis heute auf der Theaterbühne zu erleben. So spielt sie
sehr erfolgreich in Oscar Wildes Ein idealer Gatte
(1995/6), in einer Adaption von John Murrells Sarah
(2003/4) und im Einpersonenstück Oscar et la dame rose
(2005-8) von Éric-Emmanuel Schmitt. Mehrere Molière Nominierungen
belegen ihre Begabung. Mutter und Tochter spielen 2010 in
Colombe.
Auch als Autorin ist Anny Duperey sehr erfolgreich. Nicht nur in
Frankreich. Bereits ihr Erstlingswerk L'Admiroir (1976)
wird mit dem Prix de l'Académie française ausgezeichnet. Es folgen
Le Nez de Mazarin (1986), die tief bewegende Autobiografie
Le voile noir (1992) [Der schwarze Schleier des Vergessens
(1994)], Je vous écris (1993), Les chats de
hasard (1999) [Das Glück von einer Katze gefunden zu werden
(2002, 2008)], die Romane Allons plus loin, veux-tu?
(2002), Une soirée (2005) [Jahreszeiten der Liebe
(2007)], der Briefdialog mit Nina Vidrovitch De la vie dans son
art de l'art dans sa vie (2008).
Daneben schreibt sie auch Drehbücher.

ELLE - Anny Duperey
Außerdem hat sie sich, wie ihr begabter Vater, der
Schwarz/Weiß Fotografie verschrieben und hat zahlreiche sehenswerte
Aufnahmen ihrer Kollegen gemacht. Mit Ausstellungen hält sie sich
jedoch zurück. Auch zum Malen hat sie Talent.
Zeitweise hat sie auch im Zirkus, am Trapez und am Hochseil,
geglänzt. Im Fernsehen z.B. 1976 in Circus of the Stars
und sogar 1994 anlässlich einer Folge von Une famille
formidable.
Neben Schauspielen und Schreiben ist sie stark sozial engagiert,
z.B. als Schirmherrin der französischen SOS-Kinderdörfer sowie bei
Rire Médicine (psychologische Betreuung von Kindern in Kliniken).
Auch für SOS-PAPA (Rechte geschiedener Väter) setzt sie sich
ein.
Seit 1997 ist sie Ritter der Ehrenlegion (Chevalier de la Legion
d'Honneur).
Dank ihres umfangreichen Engagements und ihrer offenen und
freundlichen Art ist sie ein geschätzter Gast für TV- und
Radiointerviews sowie für Festivals.
Autogrammjäger bezeichnen sie als eine der, wenn nicht die netteste
und freundlichste französische Prominente. Es wird erzählt, mit
einem Lächeln signiere sie sogar frühe Aktfotos.
Da sie fließend Englisch spricht, sind auch internationale
Autogrammwünsche kein Problem.
Wegen ihrer leicht behauchten, ausdrucksstarken und angenehm warmen Stimme ist sie eine gefragte Sprecherin für französische Hörbücher, nicht nur als Erzählerin von Walt Disneys Kindergeschichten, sondern auch von anspruchsvoller Literatur und (besser: also ;-) auch in eigener Sache mit Les chats de hasard.

Anny Duperey, aktuell
Die in Frankreich sehr bekannte und beliebte Schauspielerin
verfolgt von Anfang an parallel eine preisgekrönte Karriere im
Fernsehen. Weniger als Serienstar, sondern in TV-Filmen und in
Mini-Serien (Mehrteilern). Zum Beispiel in Nina Companeez' Aus
dem Nest gefallen (1978), in Robert Mazoyers Fünfteiler Un
Château au soleil (1988), in Christopher Francks Die
Andere (1989), in Clive Donners Dreiteiler Karl der
Große (1994), in Christian Faures Der verlorene Sohn
(1997), in Didier Alberts Dreiteiler Marseille (1998), in
Joël Santonis Dreiteiler La Vocation d'Adrienne
(1997-2000), in Michaëla Watteaux' Fünfteiler Chère
Marianne (1999-2001), in Nina Companeez' Un Pique-Nique
chez Osiris (2001), in einer Doppelrolle in Joyce Buñuels
Le voyage de la grande-duchesse (2003), in Daniel Janneaus
Une vie en retour (2005), in Nicolas Merciers Clara
Sheller 2. Staffel (2008) und in Christian Duguays Coco
Chanel (2008) um nur einige zu nennen.
Am erfolgreichsten jedoch seit 1992 in der losen Folge von Joël
Santonis Une famille formidable Trilogie-Episoden in
Spielfilmlänge. Die sechste Staffel erreicht 2006 im französischen
Fernsehen mehr als 40(!)% Einschaltquote - regelrecht Kultstatus.
Anfang 2010 kommt die achte Staffel ins französische
Fernsehen.
In Interviews beschreibt sie selbst ihre Karriere allerdings gerne
als »zigzag« und bemerkt, dass das Kino sie Mitte der
Achtziger auf einmal »vergessen« gehabt hätte.
Das alles hat Anny Duperey in Frankreich den Ruf der wohl
vielseitigsten Künstlerin eingebracht, einer Sympathieträgerin, die
sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera eine gute Figur macht,
als Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin. In klassischen wie in
modernen Stücken, in Komödien wie in Thrillern.
Auch als Autorin hat sie Anerkennung errungen. Auszüge aus Le
voile noir waren 2002 Prüfungsstoff im französischen Abitur
und befinden sich im französischen Schullesebuch.
Sogar eine Rose (www.meilland.com) ist nach ihr
benannt.
©WP
http://www.fen-net.de/walter.preiss/d/dupereyb.html
Stand: 2010-03-02