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Die Nenn- oder Effektivspannung von 230 V des
Stromnetzes pendelt 50 mal pro Sekunde zwischen den um
Wurzel 2 höheren Scheitelwerten von ±325 V.
Beleuchtungsmittel, die direkt am Wechselstromnetz betrieben
werden, pumpen mehr oder weniger stark mit dieser Netzfrequenz von
50 Hertz (1 Hz (Hertz) = 1/sek). Üblicherweise ist eine
Glühlampe zu träge, als dass diese Änderungen sichtbar wären. Und
natürlich ist unser Auge zu langsam um solche Schwankungen
wahrzunehmen. Auch eine Videokamera nimmt normalerweise keine Notiz
von diesem Flackern.
Selbst sogenannte Gleichstromleuchten, bei denen eine Elektronik
die Wechselspannung gleichrichtet und/oder glättet, können eine
gewisse Restwelligkeit (engl.: ripple) aufweisen bzw. können
höherfrequente Schwingungen besitzen, die eine Film- oder
Videokamera nicht registriert, wohl aber eine ausreichend schnelle
Hochgeschwindigkeitskamera.

Aufnahme und flackernde Beleuchtung
Das führt zu der häufigen Fehlermeldung: »Das
Kamerabild flackert!«.
Die Hochgeschwindigkeitskamera kann allerdings nichts dafür. Grund
ist eine Auswirkung des sogenannten Abtasttheorems, siehe Bild
links. Misst man eine veränderliche Größe mit mindestens ihrer
doppelten Frequenz, so kann man deren Kurvenverlauf
rekonstruieren.
In der Abbildung links hat die Videokamera knapp die halbe
Frequenz der Lichtschwankung, während die
Hochgeschwindigkeitskamera nochmals um Faktor vier bis fünf
schneller ist. Die grauen Flächen stellen jeweils die Lichtmenge
pro Bild dar. Die weißen Flächen geben die Auslesezeit bzw. die
inaktiven Phasen wieder.
Deutlich ist zu sehen, wie bei der Videokamera sich Täler und
Berge der Beleuchtungsintensität mehr oder weniger ausgleichen, die
Videokamera integriert darüber. Das ist im Prinzip unabhängig von
der Phasenlage.
Die Bilder der Hochgeschwindigkeitskamera werden dagegen deutlich
unterschiedlich stark belichtet. Die Aufnahme flackert, wenn man
sie in Zeitlupe abspielt.
Erst wenn man die Belichtungszeit der Videokamera (stark)
reduziert, schmälere grauen Flächen und breitere weiße in der
Abbildung, kann man sie auch zum Pumpen bringen. Bei geschickt
synchronisierten Frequenzen muss das aber nicht zwangsweise der
Fall sein.
Bei einer Aufnahmefrequenz von mehreren 100 Bilder/sek kann man
das deutliche Pumpen von Leuchtstoffröhren aufnehmen. Deshalb ist
eine derartige Beleuchtung für Hochgeschwindigkeitskameras wenig
geeignet.
Lediglich Lampen, die direkt an einer Batterie betrieben werden,
sind sicher vor Hochgeschwindigkeitskameras. Halogenlampen tun es
normalerweise beim Einsatz für technische Aufnahmen aber auch.
Die bekannte optische Täuschung - die Kutsche fährt vorwärts, ihre Räder drehen sich rückwärts - ist ebenfalls eine Konsequenz des Abtasttheorems. Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Filmbildern dreht sich das Rad um etwas weniger als eine volle Umdrehung weiter. (Oder um mehrere volle Umdrehungen, wobei die letzte nicht ganz vollendet ist.) Das Gehirn interpretiert diese Bilder dann falsch.
©WP
http://www.fen-net.de/walter.preiss/d/slomo_sc.htm
Stand: 2010-02-28